Urteil

Schwarze Gang beim Bäcker

Stellen Sie sich vor, es ist Sonnabend, ein herrlicher Morgen, Sie gehen zum Bäcker, um frische Schrippen zu kaufen, die noch leicht warm sind. Und jetzt mal ehrlich: Wie wichtig ist es dann, ob die Verkäuferin, die Ihnen die Papiertüte über den Tresen reicht, eine weiße Bluse trägt oder eine schwarze?

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Bislang besagten die Hygienevorschriften, dass die Arbeitskleidung in Bäckereien hell sein muss, damit Verunreinigungen schnell und leicht zu erkennen sind. Das hat eine Konditoreichefin aus Steglitz-Zehlendorf allerdings nicht überzeugt, sie stattete ihre Verkäuferinnen mit schwarzen Blusen oder T-Shirts aus. Und wie das immer so ist: Der blütenweiße deutsche Amtsschimmel, verkörpert durch das Bezirksamt, wieherte laut und ordnete helle Kleidung an. Die Konditorin klagte - und siehe da: Das Berliner Verwaltungsgericht gab ihr recht. Die Farbe der Arbeitskleidung sei kein Kriterium für Sauberkeit, heißt es in dem Urteil.

Die Konditorin hatte ihre Entscheidung gegen Weiß nicht nur modisch, sondern vor allem praktisch begründet: Mehlflecken oder Puddingcremes seien beispielsweise auf dunkler Kleidung wesentlich leichter zu erkennen als auf heller. Außerdem weise sie ihre Mitarbeiterinnen stets an, saubere Arbeitskleidung zu tragen und kontrolliere das auch, erklärte die Konditoreichefin. Und so entschied das Gericht, dass dunkle Arbeitskleidung nicht gegen lebensmittelrechtliche Vorgaben verstoße. Das Bezirksamt kann Berufung einlegen - falls es statt Weiß oder Schwarz nach dem Urteil rotsehen sollte.