Gedenken

50 Jahre nach Mord an der Mauer: Eine Straße für Peter Fechter

CDU-Generalsekretär fordert eine Würdigung des Opfers von 1962. Bezirk signalisiert Zustimmung

- Vor 50 Jahren starb Peter Fechter auf dem Todesstreifen an der Mauer. Bis heute erinnert keine Straße in Berlin an den Mann, der 1962 bei einem Fluchtversuch ermordet wurde. Anlässlich seines Todestages fordert CDU-Generalsekretär Kai Wegner, dass Berlin dies endlich ändert: "Ich halte eine Straße, die den Namen Fechters trägt, für sinnvoll", sagte Wegner am Dienstag. "Dies wäre ein würdiges Gedenken an jemanden, der sein Leben verlor, nur weil er in Freiheit leben wollte." Sein Schicksal zeige, dass Freiheit und Demokratie hohe Güter seien, die täglich verteidigt werden müssten.

Peter Fechter wurde am 17. August 1962 im Todesstreifen an der Zimmerstraße in Mitte von Grenzsoldaten angeschossen. Der damals 18-jährige Bauarbeiter hatte zusammen mit einem Freund versucht, die Mauer zu überwinden und in den Westen zu fliehen. Fechter brach zusammen und wurde erst 50 Minuten später von der Volkspolizei geborgen. Wenig später starb er an den Folgen der Schussverletzungen.

In anderen Gemeinden Deutschlands bestehen bereits Peter-Fechter-Straßen - nicht jedoch in Berlin. So haben Trittau in Schleswig-Holstein, Püttlingen im Saarland, das bayerische Sulzbach-Rosenberg oder Warstein in Nordrhein-Westfalen bereits Straßen nach dem Maueropfer benannt. In Hannover besteht seit 1983 ein Peter-Fechter-Ufer. In Berlin wurde vor zwei Jahren nur ein Teil der Britzer Allee nach dem letzten durch Schusswaffen ums Leben gekommenen Flüchtling, Chris Gueffroy, benannt.

Der Bezirk Pankow ehrt den vor 50 Jahren tragisch ums Leben gekommenen Fechter jährlich mit einer Gedenkstunde an seinem Grab. "Wir sind da aufgeschlossen, und es wäre angemessen, nicht nur einmal jährlich an sein Schicksal zu erinnern, sondern ihn dauerhaft zu ehren", sagt Pankows Stadtrat für Stadtentwicklung, Jens-Holger Kirchner (Grüne). Bislang sei jedoch kein entsprechender Vorschlag eingegangen.

Jeder Bürger hat die Möglichkeit, den Vorschlag für eine Straßenumbenennung in der Bezirksverwaltung einzureichen. Dann wird in den anderen Bezirken nachgefragt, ob bereits entsprechende Anträge bestehen. "Allerdings sträuben sich die Berliner oft gegen eine Umbenennung", sagt Kirchner. Deshalb gehe die Verwaltung zunehmend dazu über, Straßen, die bislang keinen Namen tragen, nach Persönlichkeiten umzubenennen. Da es sich aber meist um kleine Nebenstraßen oder Wege handele, seien sie selten geeignet, nach herausragenden Persönlichkeiten benannt zu werden. "Ich könnte mir die Umbenennung einer Grünanlage mit einem Gedenkstein für Peter Fechter vorstellen", sagt Kirchner. Das sei einfacher umzusetzen.