Ukraine

"Zermürben und vernichten"

Charité-Chef kritisiert in der Ukraine die Haftumstände Timoschenkos

- Vor einem erneuten Prozesstermin haben deutsche Ärzte die in Haft erkrankte ukrainische Ex-Regierungschefin Julia Timoschenko (51) für weiterhin verhandlungsunfähig erklärt. Die Politikerin brauche noch mindestens acht Wochen völlige Ruhe, sagte der Chef der Berliner Universitätsklinik Charité, Karl Max Einhäupl, in Charkow. An diesem Dienstag soll dort ein umstrittener zweiter Prozess wegen angeblicher Steuerhinterziehung fortgesetzt werden.

Einhäupl hatte unmittelbar vor seiner Reise nach Charkow den ukrainischen Behörden Versäumnisse vorgeworfen. "Sich über den mangelnden Fortschritt bei der Rehabilitation zu beklagen, halten wir angesichts der durch die Versäumnisse der ukrainischen Behörden verursachten Verzögerungen für unangemessen." Die Behandlung von Timoschenkos Bandscheibenvorfall hätte früher als im Mai beginnen sollen, schrieb Einhäupl in einer Erklärung. "Sich über den mangelnden Fortschritt bei der Rehabilitation zu beklagen, halten wir angesichts der durch die Versäumnisse der ukrainischen Behörden verursachten Verzögerungen für unangemessen." Einhäupl wollte die Erklärung den Behörden in der Ukraine überreichen. Darun heißt es, die Haftanstalt habe der 51-Jährigen vorgeworfen, ihre Schmerzen zu simulieren. Die chronischen Schmerzen Timoschenkos seien auch psychosomatisch bedingt und verursacht "durch die Überzeugung der Patientin, man wolle sie zermürben und schließlich vernichten", erläutern die Mediziner.

Am Montag begann in der Ukraine der Wahlkampf. Dabei wurde Timoschenko von der Opposition demonstrativ als Spitzenkandidatin für die Parlamentswahl am 28. Oktober nominiert. Die Wahlkommission dürfte dies aber ablehnen, weil Inhaftierte in der Ex-Sowjetrepublik nicht kandidieren dürfen.