Ramsauer

Sonderermittler ausgesperrt: Ministerkritisiert heimliche Tests am BER

Ramsauer: Zeit der Heimlichtuerei und des Schönredens muss der Vergangenheit angehören

- Bei dem wichtigen Brandschutztest am Flughafen BER am Dienstag musste ein Mitglied der Arbeitsgruppe "Soko BER" aus dem Haus von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) draußen bleiben. Das Ministerium hatte am Donnerstag vergangener Woche beim Flughafen einen Antrag gestellt, um den Test als Beobachter begleiten zu dürfen. Darauf gab es zunächst keine Reaktion. Am Montag und damit erst unmittelbar vor dem Test kam dann die Absage. Darüber war man im Ministerium irritiert. Denn die "Soko BER" wurde eingerichtet, um eine erneute Verschiebung des Starttermins zu vermeiden. Dafür wäre es wichtig gewesen, den Test selbst verfolgen zu können, anstatt sich auf die ersten Berichte verlassen zu müssen, so ein Sprecher. Doch der Flughafen lehnte dies mit Verweis auf den kleinen Teilnehmerkreis ab.

Laut einem Ministeriumssprecher sollte das Flughafen-Management den Prozess transparent gestalten, mit ehrlicher Analyse. Der Minister sei der Ansicht, dass die Zeit der Heimlichtuerei und des Schönredens der Vergangenheit angehören sollte. Brandenburgs SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher forderte die Flughafengesellschaft auf, die Ergebnisse auch im Hauptausschuss des Landtags vorzustellen.

Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel wies den Vorwurf zurück: "Die drei Anteilseigner Berlin, Brandenburg und der Bund wurden gleichberechtigt und laufend über den Test informiert." Es wären nur die relevanten Prozessbeteiligten vor Ort gewesen. Dazu zählten Vertreter der beteiligten Firmen, des Flughafens, des TÜVs, der zuständigen Baubehörde und die Fachfirma, die den Test durchführte.

Zudem dementierte Kunkel einen Zeitungsbericht, dem zufolge es bei dem Test Probleme gegeben habe. "Die Serie von vier Tests ist nach erstem Augenschein erfolgreich verlaufen", sagte Kunkel. Das habe er auch unmittelbar nach Abschluss der Tests so bekannt gegeben. "Jetzt erfolgt die detaillierte Analyse der Messdaten", so Kunkel. Bis das Ergebnis feststeht, dürften zwei bis drei Wochen vergehen. Nun werden unter anderem die Daten untersucht, die Messgeräte während des Tests in den Lüftungskanälen aufgezeichnet haben. Zudem wurde mit Videokameras gefilmt, ob sich die Lüftungsklappen in den Kanälen wie gewünscht öffnen und schließen. Dieser Entrauchungstest war der letzte vor der Aufsichtsratssitzung am 16. August. Er dürfte erheblichen Einfluss darauf haben, ob der neue Starttermin am 17. März 2013 gehalten werden kann oder nicht. Denn gravierende Mängel beim Brandschutz haben schon zu der jüngsten Verschiebung geführt. Bei dem Test wurde am Dienstag unter anderem geprüft, ob Rauch bei einem Brand in das Terminal zurückweicht oder sich auf andere Bereiche des Terminals ausdehnt. Die Anlage muss mindestens 15 Minuten lang für eine 2,15 Meter hohe rauchfreie Schicht sorgen, damit die Menschen aus dem Gebäude fliehen können.

Im Norden Berlins leiden die Menschen derweil unter den Folgen der verschobenen Eröffnung. Denn sie müssen jetzt noch länger als geplant den Fluglärm ertragen. Zum einen fanden im Juni im Vergleich zum Vorjahresmonat fünf Prozent mehr Flugbewegungen statt. Vor allem Lufthansa und Air Berlin hatten ihr Angebot in Erwartung des neuen Hauptstadtairports deutlich aufgestockt. Die zusätzlichen Flüge müssen nun von Tegel abgewickelt werden. Zudem klagen die Anwohner darüber, dass auch nachts mehr Maschinen ihnen den Schlaf rauben. Ob allerdings nachts tatsächlich mehr Flugzeuge über ihre Häuser hinwegfliegen, ist noch nicht bewiesen.