Sicherheit

Missbrauch an Berliner Schulen: Senat plant Alarmsystem für Eltern

Familien fordern "Regelung zur Information". Auslöser war die Vergewaltigung einer Achtjährigen

- In Fällen von Missbrauch an Schulen sollen künftig benachbarte Schulen und Eltern durch die Bildungsverwaltung besser informiert werden. Auslöser für das Vorhaben ist der Fall des Mädchens, das auf der Schultoilette der Humboldthain-Grundschule in Wedding vergewaltigt wurde. Wie berichtet, war die Achtjährige am 1. März während der Schulzeit von einem Mann auf die Toilette gezerrt, mit einem Messer bedroht und vergewaltigt worden. Am Dienstag wurde der Prozess gegen den mutmaßlichen Täter eröffnet.

Der Fall hatte in Berlin Diskussionen ausgelöst, wie Schulen besser gesichert werden können, zumal zur etwa gleichen Zeit ein Mann an einer Reinickendorfer Grundschule versucht hatte, ein Mädchen zu missbrauchen. "Eine überlegte Regelung zur Information der Eltern ist dringend nötig", sagt Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Schließlich müssten die Schulleiter in solchen Ausnahmesituationen oft schnelle Entscheidungen treffen. "Wir entwickeln derzeit einheitliche Kriterien für alle Bezirke, wann und durch wen die Leiter der umliegenden Schulen benachrichtigt werden müssen und wann diese wiederum die Eltern informieren müssen", sagt Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

Häufig würde es Unsicherheit geben bei der Abwägung zwischen Sicherheitsvorkehrungen auf der einen und dem Vermeiden von Hysterie auf der anderen Seite. Und schließlich sei auch ein Wildwuchs an Gerüchten unter den Eltern zu vermeiden. Die Kriterien und die Regelung der Verantwortlichkeiten sollen im neuen Schuljahr in den sogenannten Notfallplan einfließen, der beispielsweise auch das Vorgehen bei Amokdrohungen einheitlich regelt. Die Handlungsanweisungen, die gemeinsam mit Schulpsychologen erarbeitet werden, sollen nicht allein auf Missbrauchsfälle reduziert sein, sondern allgemein für die Gefahr einer Gewalttat durch Schulfremde gelten. "Es muss beispielsweise genau definiert werden, wann auch umliegende Schulen betroffen sein könnten", so Stoffers.

Bei dem Vorfall an der Humboldthain-Grundschule in Wedding habe die Information der umliegenden Schulen nach Angaben der Bildungsverwaltung gut funktioniert, heißt es. Die Schulaufsicht hatte die Einrichtungen in der Nachbarschaft über den Fall aufgeklärt und darum gebeten, die Sicherheitsvorkehrungen zu überprüfen.

Die zu ergreifenden Maßnahmen würden nicht einheitlich geregelt, sondern müssten den Gegebenheiten an der Schule angepasst werden, betont Sprecherin Stoffers. Sie könnten von einer Gegensprechanlage bis zur Kontrolle der Zugänge durch Schulpersonal reichen. Häufig würden Schulen auch darum bitten, dass Eltern ihre Kinder am Schultor allein ins Gebäude gehen lassen, damit schulfremde Personen schneller erkannt werden können.