Simon Wiesenthal

Vom Jäger zum Gejagten

"Tagesschau" verwechselt Simon Wiesenthal mit Nazi-Kriegsverbrecher

- Foto-Panne bei der ARD - und das ausgerechnet in der "Tagesschau". In der Meldung über die Aufspürung des mutmaßlichen Nazi-Verbrechers László Csatáry in Ungarn wurde am Sonntag ein Bild des "Nazi-Jägers" Simon Wiesenthal eingeblendet. Dies sei versehentlich geschehen, teilte die Pressestelle der Redaktion beim NDR in Hamburg am Montag mit. Die Meldung sei kurz vorher vom Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem verbreitet worden. "Leider ist es in der Hektik zu einer Bildverwechslung gekommen. Ich bedauere dies sehr", sagte Thomas Hinrichs, zweiter Chefredakteur ARD-aktuell.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte der ungarischen Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben Informationen über Csatáry zukommen lassen. Das teilte das Jerusalemer Büro der jüdischen Menschenrechtsorganisation mit. Der Leiter des Zentrums, Efraim Zuroff, äußerte die Hoffnung, dass dies dabei helfen werde, Csatáry noch vor Gericht zu stellen. Die Ermittlungen gestalteten sich jedoch schwierig, hieß es von der Staatsanwaltschaft in Budapest.

Der Verdächtige steht auf der Liste der jüdischen Menschenrechtsorganisation mit den meistgesuchten Kriegsverbrechern ganz oben. Nach Angaben des Wiesenthal-Zentrums war der ehemalige Polizeichef von Kosice im ungarisch besetzten Teil der Slowakei 1941 maßgeblich an der Deportation von 300 Juden 1941 in die Ukraine beteiligt gewesen, wo die Opfer getötet wurden. Zudem soll er bei der Organisation der Deportation von rund 15.700 Juden ins Konzentrationslager Auschwitz im Jahr 1944 geholfen haben.

Die ARD-Verantwortlichen haben redaktionelle Konsequenzen aus der Foto-Panne gezogen: Die im Internet archivierte "Tagesschau"-Sendung, die unter "Tagesschau.de" abrufbar ist, sei redaktionell bearbeitet und entsprechend gekennzeichnet worden. "Die Meldung wurde entfernt", ließ die ARD wissen.