Kulturgeschichte

Konkurrenz aus der Provinz

Ausgerechnet ein Schwabe will der Vater des deutschen Döner Kebab sein

- Er ist nicht nur integriert, sondern schon assimiliert. Der Döner Kebab gehört zur deutschen Fast-Food-Landschaft wie die Currywurst und der Hamburger. Und natürlich ist er ein echter Berliner, was auch sonst. Denn wie jedes Kind weiß, brachte ihn Kadir Numan 1972 aus der Türkei in die Hauptstadt, von wo aus das Grillfleisch vom Spieß zum Verkaufsschlager wurde. Der Verein türkischer Dönerhersteller in Europa (ATDID) zeichnete Numan im vergangenen Jahr sogar für seine Pionierleistung aus.

Doch jetzt meldet sich tatsächlich Konkurrenz aus der Provinz: Der Schwabe Nevzat Salim will bereits 1969 den ersten Döner auf deutschem Boden verkauft haben - im baden-württembergischen Reutlingen. "Unseren ersten Döner-Stand hatten wir damals auf dem Marktplatz", erzählt Salim, der 1968 aus der Türkei kam und heute bei Ulm lebt. Der 59-Jährige stammt aus Bursa, eine Geburtsstätte des türkischen Döner Kebab, dort besser bekannt als Iskender Kebab, benannt nach seinem Erfinder.

Gemeinsam mit seinem Vater verkaufte Salim Döner, erst bei türkischen Festen, dann mit dem mobilen Döner-Stand vor dem Reutlinger Rathaus. Salim kramt ein Foto davon hervor. Es stammt nach seinen Angaben aus dem Jahr 1969. Wenn die Jahreszahl stimme, "dann muss die Geschichte des Döner in Deutschland neu aufgerollt werden", sagt der Geschäftsführer des Gaststättenverbands Dehoga in Baden-Württemberg, Jürgen Kirchherr.

Der ATDID zeigt sich Salims Angaben gegenüber offen - nur müsse er das auch belegen können. Der Schwabe selbst sagt von sich, er wolle weder einen Titel noch Berühmtheit erlangen. Aber Recht, so Salim, müsse Recht bleiben. Wie es scheint, ist mittlerweile nicht nur der Döner typisch deutsch - sondern auch der Streit über seine Geburtsstätte.