Gesundheit

Kein Bier mehr für Jugendliche

Berlins Gesundheitssenator will Alkoholverkauf an 16-Jährige verbieten. Opposition lehnt Plan ab

- Berlins Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) will entschieden gegen den Alkoholmissbrauch von Minderjährigen vorgehen. "Wir prüfen derzeit ein allgemeines Alkoholverkaufsverbot an unter 18-Jährige", sagte Franciska Obermeyer, Sprecherin der Gesundheitsverwaltung. Senator Czaja reagiert mit der Initiative auf die hohe Zahl von Jugendlichen in Berlin, die regelmäßig so viel Alkohol zu sich nehmen, dass sie teilweise bewusstlos werden. Immer wieder müssen Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingeliefert werden.

Der Koalitionspartner SPD unterstützt die Idee des Gesundheitssenators. "Das Verfahren ist so im Koalitionsvertrag vorgesehen", sagte der Sprecher der SPD-Fraktion, Felix Frenzel. Die SPD werde sich die Argumente des Gesundheitssenators "sehr genau ansehen und dann beraten". Andere Bundesländer sind schon länger dabei, gegen das sogenannte Komasaufen von Jugendlichen vorzugehen. In Baden-Württemberg etwa gilt ein generelles nächtliches Verkaufsverbot von Alkohol an Tankstellen, Supermärkten und Kiosken. Das betrifft auch Erwachsene. "Wir verfolgen solche Ansätze mit Interesse", sagte die Sprecherin von Gesundheitssenator Czaja.

Auf Bundesebene startete Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) kürzlich einen Versuch, den Alkoholmissbrauch einzuschränken. Ihr Ministerium prüft eine deutliche Verschärfung des Jugendschutzgesetzes bei öffentlichen Veranstaltungen wie Konzerten und Vereinsfesten. Demnach sollen Jugendliche unter 16 Jahren ohne Begleitung eines Erziehungsberechtigten künftig nach 20 Uhr keine öffentlichen Veranstaltungen mehr besuchen dürfen, bei denen Alkohol ausgeschenkt wird.

Oppositionspolitiker in Berlin zweifeln indes, dass der Vorstoß des Gesundheitssenators Erfolg haben wird. Wolfgang Albers, gesundheitspolitischer Sprecher der Linken im Abgeordnetenhaus, bezeichnet die Idee als "reine Schaumschlägerei und blinden Aktionismus". Der übermäßige Alkoholkonsum einiger Berliner Jugendlicher lasse sich nicht durch solch ein generelles Verbot lösen, sagte der Abgeordnete. "Wir brauchen keine zusätzlichen Gesetze, sondern müssen dafür sorgen, dass die bestehenden Gesetze tatsächlich eingehalten werden." Denn hochprozentiger Alkohol wie Wodka oder Korn darf auch jetzt nicht an Jugendliche unter 18 Jahren verkauft werden. Künftig auch noch den Verkauf von Bier und Wein zu verbieten, sei nicht zielführend. "Stattdessen muss das Problembewusstsein der Jugendlichen geschärft werden", sagte Albers. Er verwies auf Simulationsprojekte in einigen Berliner Schulen, wo die Jugendlichen beispielsweise durch entsprechende Brillen erfahren, wie sich Alkohol auf ihren Körper auswirken kann.

Ähnlich äußert sich der Grünen-Abgeordnete Benedikt Lux. "Dieses Verbot schießt über das Ziel hinaus und würde den Alkoholmissbrauch einiger Jugendlicher nicht wie erhofft eindämmen", sagte Lux. "Bei Bier und Wein handelt es sich um verträglichen Alkohol, wenn sie in Maßen konsumiert werden." Den Verkauf dieser Getränke an Jugendliche ab 16 Jahren generell zu verbieten, würde den exzessiven Konsum hochprozentigen Alkohols einiger Jugendlicher nicht einschränken. Um diese Fälle müsste man sich aber vor allem kümmern, so Lux. Der Grünen-Abgeordnete regte statt eines allgemeinen Verkaufsverbots für unter 18-Jährige an, dass Mitarbeiter der Jugendämter die betroffenen Familien zu Hause besuchen und beraten. Dafür sollten die Bezirke auch mehr Geld bekommen, so Lux.

In der Gesundheitsverwaltung wird jetzt zunächst geprüft, ob das Land alleine ein solch verschärftes Gesetz zum Alkoholkonsum von Jugendlichen erlassen kann. Falls dies nicht möglich sei, überlegt Gesundheitssenator Czaja, ob über den Bundesrat eine entsprechende Gesetzesinitiative eingebracht wird.