Stadtplanung

Debakel um Flughafen BER: Erste Investoren ziehen sich zurück

Bauprojekte auf unbestimmte Zeit verschoben. Brandenburg plant 435 Millionen Euro zusätzlich ein

- Die verschobene Eröffnung des Flughafens BER wirft die wirtschaftliche Entwicklung der Hauptstadtregion zurück. Besonders betroffen sind die an den BER angrenzenden Gemeinden in Brandenburg. Sie hatten sich von dem neuen Flughafen einen wirtschaftlichen Schub erhofft, der nun ausgeblieben ist. Erste Investoren haben sich bereits zurückgezogen, andere haben ihre Projekte auf unbestimmte Zeit verschoben. Das bestätigten die Bürgermeister der betroffenen Kommunen der Berliner Morgenpost.

In Königs Wusterhausen gab es laut Bürgermeister Lutz Franzke drei Interessenten, die ein wichtiges Bauprojekt in der Innenstadt durchführen wollten. Doch zwei Investoren brachen die Gespräche mit Verweis auf das Chaos am BER bereits ab. "Für sie war der Start des Flughafens ein wesentlicher Faktor", sagte Franzke. "Doch wegen der erneuten Zweifel wollen sie ihr Geld nun lieber an einem anderen Ort investieren." Für seine Gemeinde sei dies ein empfindlicher Schlag. "Unserer Verhandlungsposition ist durch die unsichere Lage am BER geschwächt", sagte Franzke.

Auch der Bürgermeister in Schönefeld, Udo Haase, muss Investoren beruhigen, damit sie an ihren geplanten Projekten festhalten. "Sie sind jetzt erst einmal auf die Bremse getreten und fahren einen Sparkurs", sagte Haase. Die Enttäuschung über die geplatzte BER-Eröffnung sei bei allen Investoren groß. Hinzu käme der äußerst unsichere neue Starttermin. Wie berichtet, wird derzeit geprüft, ob der Eröffnungstermin am 17. März 2013 noch zu halten ist. Der neue Chefplaner des Airports, Horst Amann, hatte am Montag ebenfalls erhebliche Zweifel an dem Termin geäußert. "Das macht es für uns schwer, den Wirtschaftsstandort glaubhaft zu vermarkten", sagte Haase.

In Berlin dagegen halten sich die wirtschaftlichen Folgen noch in Grenzen, zumal Tegel und Schönefeld den neuen Flugplan zuverlässig abwickeln. Aber der Ruf der Hauptstadtregion hat Schaden genommen. "Der Standort Berlin leidet am meisten unter dem Reputationsverlust, der sich besonders national, aber auch international mit der wenig professionellen Flughafenplanung verbindet", sagte Udo Marin, Geschäftsführer des Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Dass sich ein mittelgroßes Flughafenprojekt möglicherweise um Jahre verzögern werde, sei ein "Armutszeichen".

Wie sehr die verschobene BER-Eröffnung die Länder Berlin und Brandenburg sowie den Bund finanziell zusätzlich belasten werden, ist noch nicht absehbar. Brandenburg hat in den Doppelhaushalt für 2013/2014 bereits eine sogenannte Risikovorsorge für den Flughafen in Höhe von 435 Millionen Euro eingeplant. Allerdings sei als Erstes die Flughafengesellschaft gefragt, die Zusatzkosten so weit wie möglich selbst zu tragen, so die brandenburgische Landesregierung. Berlin hatte seinen Haushalt im Juni ohne eine solche Rückstellung beschlossen.