Wissenschaft

Showdown um die Weltformel

Zwei Forschungsinstitute glauben, das legendäre Higgs-Teilchen nachweisen zu können

- Es ist die wissenschaftliche Suche nach dem Heiligen Gral, die heute zu Ende gehen könnte: Wissenschaftler glauben, dass sie das Elementarteilchen Higgs gefunden haben. Nach mehr als drei Jahrzehnten intensiver Forschung könnten sie so vielleicht endlich nachweisen, warum Materieteilchen überhaupt Masse besitzen. Denn der Theorie nach wird Masse durch das Higgs-Feld erzeugt. Und das gilt als letzter noch nicht entdeckter Baustein des Standardmodells der Materie. Wie wichtig der Beweis wäre, lässt sich schon daran erkennen, dass von dem Objekt der wissenschaftlichen Erkenntnisbegierde oft als "Gottesteilchen" die Rede ist. Es steht also nicht weniger als - gänzlich unwissenschaftlich gesprochen - die Lösung der Weltformel im Raum.

Dabei gibt es jedoch einen Haken: Noch ist unklar, wer überhaupt des Rätsels Lösung gefunden haben oder ihm zumindest dicht auf die Spur gekommen sein könnte. Denn das behaupten gleich zwei Forschungseinrichtungen von sich.

Zum einen präsentieren Forscher der Europäischen Organisation für Kernforschung (Cern) in Genf heute ihre neuesten Erkenntnisse. "Wir haben jetzt doppelt so viele Daten wie vor einem Jahr", sagte der Cern-Direktor für Forschung und Datenverarbeitung, Sergio Bertolucci. Zum anderen erklärten kurz zuvor Wissenschaftler des Forschungszentrums Fermilab im US-Bundesstaat Illinois, sie stünden bei der Higgs-Suche kurz vor dem Durchbruch.

Das wird in Genf - überraschenderweise - skeptisch gesehen: Aus den amerikanischen Daten ließe sich "keine Entdeckung ableiten". Es kommt also zum Showdown um die Weltformel.