Zuversicht

Berlin ist für junge Menschen der attraktivste Wirtschaftsstandort

Umfrage: Unter 30-Jährige sehen Stadt gut aufgestellt - Spitze bei Investitionen in Start-ups

- Die Hauptstadt kommt in der Wahrnehmung junger Menschen längst nicht nur als Spaß-, Studier- und Partymetropole gut weg. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa halten insbesondere Menschen unter 30 große Stücke auf den Wirtschaftsstandort Berlin. Fast zwei Drittel - insgesamt 61 Prozent - nannten die Rahmenbedingungen in der Stadt genauso gut oder besser als anderswo in Deutschland. Durchaus zuversichtlich zeigen sich auch ältere Befragte. In allen Altersgruppen überwiegt der Anteil derjenigen, die die Rahmenbedingungen in der Stadt besser oder gleich im Vergleich zu anderen Regionen bewerten.

Das Umfrageergebnis spiegelt einen Trend wider. Zwar ist die Hauptstadt im Vergleich zu anderen Bundesländern wirtschaftlich schwach. Die Arbeitslosenquote ist mit zwölf Prozent im bundesweiten Vergleich sehr hoch. Allerdings hat in den vergangenen Jahren eine Dynamik in der Stadt eingesetzt. Die Wirtschaft wächst, zahlreiche neue Stellen wurden geschaffen, und die Stadt lockt vor allem ein internationales Publikum. Zum einen kommen Jahr für Jahr mehr Touristen, wovon hiesige Unternehmen profitieren. Zum anderen aber hat sich Berlin längst international einen Namen als Zentrum für Unternehmensgründer gemacht. Darauf gründen auch Hoffnungen für die Zukunft. Denn in der Stadt rechnet kaum jemand damit, dass in den nächsten Jahren ein großer Konzern seinen Sitz nach Berlin verlegen wird. Wirtschaftliche Prosperität entsteht in hohem Maße durch Neugründungen und durch Wachstum kleiner und mittlerer Unternehmen.

Vor allem die Kreativbranche habe Berlin als Standort in Europa für sich entdeckt, sagt Udo Marin, Geschäftsführer des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI), der die Umfrage in Auftrag gegeben hatte. Zur Kreativbranche werden Unternehmen gezählt, die sich mit Internet, Software oder Medien befassen. "Diese Anziehungskraft für junge Unternehmer ist ganz unabhängig von der Politik entstanden - was nicht negativ gemeint ist", sagt Marin. Junge Unternehmer, zumal aus der Internetbranche, bräuchten vor allem Verbindungen, Netzwerke und Kapital.

Und das Kapital, also Geld für Jungunternehmer mit Ideen, fließt verstärkt in die Stadt. Das zeigen neue Zahlen, die der Morgenpost vorliegen. So nahm Berlin im vergangenen Jahr unter allen Bundesländern die Spitzenposition bei Investitionen in Start-up-Firmen ein. 116,8 Millionen Euro steckten Investoren in junge Unternehmen der Stadt. Diese kommen vor allem aus der Internetbranche. Damit konnte Berlin sogar an Bayern (114,9 Millionen Euro) vorbeiziehen, wie bislang unveröffentlichte Zahlen des Bundesverbandes Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften (BVK) belegen. Der Kapitalfluss für junge Berliner Unternehmen hat sich damit seit 2009 mehr als verdoppelt.

"Wir sehen gerade, wie in Berlin mit seinen Online-, E-Commerce- und Social-Media-Firmen eine neue Industrie entsteht, die sich selbst trägt", sagt Wolfgang Seibold, Vorstandsmitglied des BVK. Seibold ist zudem Partner der Investmentgesellschaft Earlybird. Die meisten Investitionen hat sein Unternehmen in Berliner Firmen getätigt. "Wir sehen hier eine Dynamik und Kreativität wie nirgendwo sonst in Europa", sagt Seibold.

Wie dynamisch Berlin ist, zeigen auch Zahlen zu Unternehmensgründungen. Nach Erhebungen der bundeseigenen Förderbank KfW gründeten 2,7 Prozent aller Berliner im Alter zwischen 18 und 64 Jahren eine Firma. Das ist noch mehr als in Hamburg mit 2,5 Prozent und Bremen (zwei Prozent).