Geburtskirche

Zorn in Bethlehem

Unesco erklärt die Geburtskirche zum Weltkulturerbe - und empört Israel

- Es ist wie so oft in der Politik: Eigentlich sind sich ja alle einig. Im Grundsatz. Aber über das Wie gibt es dann Streit - auch wenn es eigentlich gar nicht um Politik gehen sollte. Denn eigentlich sind sich ja alle einig, dass die Geburtskirche in Bethlehem geschützt werden soll. Und dass sie auf die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gehört. Aber dass die palästinensische Präsidentschaft einen Dringlichkeitsantrag gestellt hatte, um dieses Ziel zu erreichen, und die Unesco dem stattgab, das sorgte für Verstimmung. Und wurde von den Beteiligten entsprechend politisiert.

Die Palästinenser sprachen von einem "Sieg der Gerechtigkeit", Israel von einer "politischen Entscheidung". Klar ist, dass das Bauwerk aus dem vierten Jahrhundert zunehmend verfällt. Laut den Palästinensern wurde es seit 50 Jahren nicht mehr restauriert. Israel kritisiert, mit dem Dringlichkeitsantrag werde suggeriert, dass man die Stätte nicht schütze.

Es stellt sich die Frage, ob es den Palästinensern tatsächlich um den Schutz der Kirche ging, die zu den heiligsten Stätten der Christenheit gehört und zu der jährlich zwei Millionen Menschen pilgern. Denn seit 2011 sind die Palästinenser trotz Protesten von Israel und den USA Vollmitglied in der Unesco. Und der Sprecher von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte: "Diese globale Anerkennung der Rechte des palästinensischen Volkes ist ein Sieg für unsere Sache und für die Gerechtigkeit." So ist es wie immer: Alle wollen etwas Gutes, aber streiten sich trotzdem.