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Franzosen mögen keinen Pastis mehr

Ausgerechnet Whisky ist zwischen Elsass und Provence stark im Kommen

- Es gibt Getränke, die gehören unverrückbar zu einer Nation. In Deutschland ist es das Bier, in Frankreich Wein und Pastis und in Schottland der Whisky. Franzosen, die Whisky trinken? Mon Dieu, undenkbar. Und doch: Die Gallier rücken langsam, aber sicher von ihrem Nationalgetränk ab - und wenden sich dem Produkt von der einst so verhassten britischen Insel zu.

Die Tradition ist das, was dem Pastis den Markt raubt. Franzosen finden Anisschnaps, der auf Eis und mit mehr oder weniger Wasser als Aperitif genossen wird, altmodisch. Und greifen lieber zum Scotch. Frankreich ist inzwischen zum größten Markt für schottischen Whisky geworden. Weltweit werden elf Prozent des Scotchs in Frankreich verkauft. In Großbritannien: acht Prozent.

Das Trinkverhalten bringt auch die französischen Getränkekonzerne zum Umdenken. So verdient der 1932 gegründete Pastis-Produzent Ricard sein Geld längst nicht mehr mit dem "Anisette". Stattdessen sind es Marken wie Ballantine's, Chivas Regal und The Glenlivet. Schuld ist offenbar das Fernsehen. Laut César Giron, Chef von Pernod Frankreich, lief jahrelang jeden Mittwochabend ein Western, wo die Filmhelden Whisky tranken. Seitdem gelte das Getränk als cool, die Franzosen würden die Westernhelden nachahmen. Was allerdings an John Wayne modern sein soll, das steht auf einem anderen Blatt.