Fernsehen

ARD und ZDF kündigen Kabelverträge

Millionen Haushalte betroffen. Netzbetreiber setzen auf Verhandlungen

- Die öffentlich-rechtlichen Sender ARD, Arte und ZDF haben ihre Einspeiseverträge mit den beiden größten deutschen Kabelnetzbetreibern gekündigt. Unitymedia bestätigte der Berliner Morgenpost, dass mehrere Schreiben eingegangen seien, die auf eine Beendigung des bestehenden Einspeisevertrags abzielen. Auch Kabel Deutschland (KDG) habe die Kündigungen erhalten. Man prüfe nun, ob alle Formalien eingehalten wurden, heißt es in Unternehmenskreisen. Der Grund: Die Sender weigern sich, weiterhin Einspeisegebühren für die Verbreitung ihrer Sender im Kabelnetz zu entrichten.

Bislang zahlen die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten für die Verbreitung ihrer insgesamt gut 20 Sender im Kabelnetz rund 60 Millionen Euro Gebühren pro Jahr. Dieses Geld wollen sie ab dem Jahr 2013 einsparen. Die Sender setzen darauf, dass die Kabelnetzbetreiber gesetzlich dazu verpflichtet sind, ihre Programme zu verbreiten. Die Kabelbetreiber wiederum drohen damit, künftig nicht mehr alle Spartenprogramme zu verbreiten. Einigen sich die Kabelnetzbetreiber und die Sender nicht bis zum Stichtag 1. Januar, würden die insgesamt 15,4 Millionen Haushalte, die ihr Fernsehsignal via Kabel von den betroffenen Anbietern bekommen, bei ARD und ZDF schwarz sehen. Unitymedia-Chef Lutz Schüler hatte bereits harten Widerstand angekündigt: "Wir müssen die Sender von ARD und ZDF nicht übertragen."

Die Betreiber können nur schwerlich die Hauptsender ARD und ZDF aus dem Angebot streichen. Doch Sendern wie dem ARD Infokanal oder ZDF neo droht der Rauswurf.

Tatsächlich ist das Modell einmalig: Sowohl die Sender zahlen an die Kabelbetreiber als auch die Kunden. Grund war die Förderung des Kabelnetzausbaus. "Die Einspeisegebühr ist historisch überholt. Es ist nicht mehr zu rechtfertigen, dass Gebühren an Unternehmen gezahlt werden, die mit der Vermarktung unserer Programme gutes Geld verdienen", so ZDF-Intendant Thomas Bellut.

Die Sender hatten die Kündigung bereits vor Monaten öffentlich angekündigt. Die Kabelgesellschaften befürchten nun, dass die privaten Rundfunksender das Vorgehen der Öffentlich-Rechtlichen als Blaupause sehen, um ihrerseits aus dem bisherigen Finanzierungsmodell auszusteigen.