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Berliner Polizeinotruf 110 in Gefahr: Bei Hitze droht ein Ausfall

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Peter Oldenburger

Verwaltung moniert mangelhafte Kälteversorgung im Rechenzentrum der Berliner Leitzentrale

- Bei der größten Polizeibehörde Deutschlands bestehen erhebliche Probleme mit dem Zustand technischer Einrichtungen. Betroffen sind die Räumlichkeiten des Polizeipräsidiums am Platz der Luftbrücke in Tempelhof, die zum Komplex des ehemaligen Flughafens gehören. Gravierende Probleme mit der Kältetechnik im Rechenzentrum könnten einen Ausfall des Notrufs 110 verursachen. Dieses alarmierende Szenario beschreibt ein Brief, den die Polizeiverwaltung in der vergangenen Woche an das Berliner Immobilienmanagement (BIM) gerichtet hat. Die Berliner Polizei ist Mieter der BIM, die 200 Mitarbeiter beschäftigt.

Zur Einordnung der Bedeutung der Notrufzentrale: Im vergangenen Jahr gingen dort fast 1,5 Millionen Anrufe über die bundeseinheitliche Rufnummer 110 ein. Das entspricht im Durchschnitt fast 3500 Anrufen täglich. Von der Leitzentrale aus steuern etwa zwei Dutzend Beamte die Einsätze der Funkstreifenwagen bei Notfällen im gesamten Stadtgebiet.

In dem Schreiben an die BIM, das der Berliner Morgenpost vorliegt, wird eindringlich auf die mangelnde Kälteversorgung der Technikräume hingewiesen. Im sogenannten Bauteil K1 ist die gesamte Leitstellentechnik untergebracht, einschließlich der Server der Notrufannahmestelle. Die Kälteversorgung im Rechenzentrum sei bereits seit Jahren problematisch. Im Sommer 2011 kam es laut Polizeiverwaltung zu einer massiven Überhitzung in den Servern. Die Folge war eine größere Störung der Leitstellentechnik. Das bedeutet, dass der systematische und zielgerichtete Einsatz von Streifenwagen vorübergehend nicht mehr beherrschbar war. Ganz gleich, ob es beispielsweise darum ging, Beamte zu einem Verkehrsunfall zu schicken oder Polizisten nach einer Messerstecherei an den Tatort zu beordern oder Straftäter zu verfolgen.

Zur Beseitigung des technischen Problems wurde im vorigen Sommer von der BIM provisorisch ein Notfallkältegerät installiert. Das Problem sei damit nicht vom Tisch, heißt es in dem Brief, der an das Mitglied der BIM-Geschäftsleitung, Klaus Gendner, gerichtet war. "Die Verteilung der Kaltluft im Rechenzentrum ist allerdings nach wie vor unzureichend", heißt es in dem Schreiben. "Selbst ein Teilausfall der Rechentechnik in der Leitzentrale würde die Sicherheitslage Berlins direkt beeinträchtigen. Dringender Handlungsbedarf bestehe zudem auch "hinsichtlich der alten Steuerungs-, Kälte- und Lüftungstechnik." Zwar seien Lösungseinsätze erarbeitet worden, die rechtzeitig vor Sommer 2012 eine Umsetzung geeigneter Maßnahmen ermöglichen würden. Doch die Umsetzung sei nach der letzten Mitteilung des Property Managements seitens der BIM nicht in Sicht.

Die Polizei bestätigte am Donnerstag auf Anfrage die dargestellte Problematik. "Die Gefahren sind richtig beschrieben. Daher arbeite die Polizei mit dem Vermieter gemeinsam an einer Lösung. Bislang ist es jedoch zu keinerlei Störungen in der Notrufzentrale gekommen", so eine Polizeisprecherin. Seitens der BIM war trotz mehrfacher telefonischer Nachfrage der Berliner Morgenpost keine Stellungsnahme zu erhalten. Angesichts der Bedeutung einer funktionstüchtigen Einsatzleitzentrale erscheint es schwer nachvollziehbar, dass die beteiligten Bereiche Property Management und Baumanagement der BIM auf die Notwendigkeit eines Ausschreibungsverfahrens pocht.

Die Polizeiverwaltung hat in dem am Mittwoch voriger Woche verfassten Brief stattdessen um die Prüfung einer freihändigen Auftragsvergabe gebeten. Dabei wird betont, dass angesichts der Dringlichkeit eine kurzfristige und konkrete Darstellung zum weiteren Vorgehen unumgänglich sei.

Angestellte und Beamte, die im Polizeipräsidium beschäftigt sind, kennen nur zu gut die Anfälligkeit der Gebäudetechnik. Erst im Februar dieses Jahres, während der extrem starken Winterkälte, war in der Einsatzleitzentrale die Heizung erst defekt, bis sie schließlich komplett ausfiel. Die dort arbeitenden Beamten griffen zur Selbsthilfe. Von zu Hause mitgebrachte Heizlüfter und Thermo-Unterwäsche machten seinerzeit den Dienst erst erträglich. Schließlich wurde unbürokratisch gehandelt. Bevor langwierige Prüfungen über die Klärung, aus welchem Etat die Kosten zu tragen seien und welcher der günstigste Anbieter sei, angestellt wurden, wurde kurzerhand eine Firma beauftragt. Außerdem wurden die Fenster der Diensträume abgedichtet.