Umfrage

Berlin-Trend: Jeder zweite Berliner unzufrieden mit Klaus Wowereit

Senatschef stürzt in der Wählergunst um 18 Prozentpunkte ab. Auch Piraten verlieren deutlich

- Das Ansehen von Klaus Wowereit als Regierendem Bürgermeister hat bei den Berlinern im Mai stark gelitten. Seit April sind die Umfragewerte Wowereits geradezu abgestürzt - um 18 Prozentpunkte. Nur noch 44 Prozent der Berliner bewerten die Arbeit des Sozialdemokraten eher positiv, 50 Prozent geben dagegen an, weniger oder gar nicht zufrieden zu sein. Auslöser des Stimmungstiefs dürfte die anhaltende Kritik an Wowereit in seiner Rolle als Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft wegen der verschobenen Eröffnung des neuen Großflughafens BER sein.

Die Umfragewerte sind das Ergebnis des Berlin-Trends der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau". Für den Berlin-Trend befragte Infratest Dimap zwischen dem 8. und 11. Juni 1000 wahlberechtigte Berliner am Telefon.

Nur selten in den mehr als zehn Jahren seiner Amtszeit als Regierender Bürgermeister fielen die Zustimmungswerte für Klaus Wowereit unter die 50-Prozent-Marke. Zuletzt im Winter 2010, als Berlin im Schneechaos zu versinken schien. Doch jetzt fährt der Senatschef die schlechtesten Zustimmungswerte im Berlin-Trend seit Beginn der Zählung im Sommer 2003 ein. Sonst konnte Wowereit als Person stets auf die überwiegende Zustimmung der Berliner bauen, selbst wenn die Umfragewerte für seine Partei oder die Zufriedenheit mit der Arbeit des Senats in der Vergangenheit litten.

Aber auch die Arbeit des rot-schwarzen Berliner Senats wird im Moment von einer Mehrheit negativ bewertet. Der Zufriedenheitswert sackt von 43 Prozent im April auf jetzt 34 Prozent ab. Damit schneidet der Senat in den Augen der Wähler sogar noch schlechter ab als die in der Dauerkrise befindliche schwarz-gelbe Bundesregierung. Auffallend ist dabei auch, dass die große Unzufriedenheit mit der Arbeit des Senats nicht allein bei Anhängern der Oppositionsparteien zu finden ist. Das Urteil von 67 Prozent der befragten CDU-Anhänger über den Senat ist eher negativ. Nur 32 Prozent der CDU-Anhänger sind mit Rot-Schwarz zufrieden - im Gegensatz zu 59 Prozent Zustimmung bei SPD-Anhängern.

Die Umfragewerte der Parteien werden von der schlechten Beurteilung der Senatsarbeit allerdings nicht berührt. Im Gegenteil - die SPD kann im Vergleich zum Berlin-Trend von April sogar zwei Punkte zulegen. 31 Prozent der Berliner würden den Sozialdemokraten ihre Stimme geben, wenn am nächsten Sonntag die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus wäre. Die CDU hält sich bei 25 Prozent. Beide Parteien der Regierungskoalition liegen gut acht Monate nach der letzten Wahl also stabil über den damaligen Wahlergebnissen von 28,3 beziehungsweise 23,3 Prozent.

In den Umfragewerten verloren haben dagegen die Piraten. Sie liegen nun bei zehn Prozent der Wählerstimmen und büßen damit vier Prozentpunkte ein. Es ist das erste Mal seit ihrem Einzug ins Abgeordnetenhaus im Herbst, dass die Piraten im Berlin-Trend wieder sinken. Das Umfrageniveau der Politik-Neulinge ist dennoch vergleichsweise hoch, wie ein Blick auf die Zahlen der ehemaligen Regierungspartei Linke zeigt, die ebenfalls bei zehn Prozent der Stimmen liegt. Die Linke hält sich allerdings stabil, ihre Werte sind gegenüber dem Frühjahr unverändert. Die Personaldebatte über die Führungsriege der Bundespartei in den vergangenen Wochen macht sich in den Berliner Umfragewerten für die Linke nicht bemerkbar.

Waren die Piraten im April in der Gunst der Wähler noch deutlich zum Oppositionsführer, den Grünen, aufgerückt, wird nun der Abstand wieder größer. Denn die Grünen legen um einen Punkt auf 17 Prozent der Stimmen zu. Damit liegt die Partei etwa wieder auf dem Niveau ihres Wahlergebnisses von 17,6 Prozent.