Bildung

Jeder fünfte Berliner Erstklässler kann nicht richtig sprechen

Schlechteste Werte in Gesundbrunnen - Senatorin plant Bußgeld bei Verstoß gegen Kita-Pflicht

- Jeder fünfte Schulanfänger hat Probleme mit der Sprache. Das zeigt die Auswertung der Einschulungsuntersuchungen von rund 27.000 Kindern im Jahr 2011. Detailergebnisse dieser Untersuchungen machen jetzt deutlich, dass die sprachlichen Kompetenzen der Schulanfänger stärker vom sozialen Status der Familie abhängig sind als von deren ethnischer Herkunft. Das führt dazu, dass es selbst innerhalb der Bezirke große Unterschiede gibt.

In Gesundbrunnen (Mitte) ist der Anteil der Kinder, die nicht in der Lage sind, richtig zu sprechen, am größten. Dort hat mit 59,7 Prozent sogar die Mehrheit der Erstklässler sprachliche Defizite. Das sind deutlich mehr als in Moabit, wo die Quote bei 38,3 Prozent liegt. Die größten Probleme in Neukölln haben die Schulanfänger in der Gropiusstadt. Fast jeder zweite benötigt hier in der Schule eine Förderung. Auch wenn man nur die deutschsprachigen Kinder betrachtet, liegt die Quote kaum darunter. In Kreuzberg Nord ist der Anteil der förderbedürftigen Kinder mit 33,5 Prozent doppelt so hoch wie in Kreuzberg Süd. Kreuzberg Nord ist allerdings auch der Stadtteil mit den meisten Kindern nicht deutscher Herkunft. Fast 90 Prozent der Erstklässler in den Grundschulen kommen dort aus Familien mit Migrationshintergrund. Hinzu kommen soziale Probleme.

Stark auseinander geht die Schere auch in Reinickendorf. Während in Reinickendorf-Ost knapp 40 Prozent der Kinder Sprachdefizite haben, sind es in Frohnau und Hermsdorf nur 6,6 Prozent.

Auch in Lichtenberg prallen die Gegensätze aufeinander. So haben in Lichtenberg-Mitte (Friedrichsfelde) 22 Prozent der Schulanfänger Probleme mit der Sprache. Lichtenberg-Süd (Karlshorst und Rummelsburger Bucht) dagegen ist mit nur 3,2 Prozent der Berliner Stadtteil mit den wenigsten Kindern, die sprachliche Defizite zeigen.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) reagierte bereits auf die Ergebnisse der Einschulungsuntersuchung. Sie will die Kita-Pflicht für förderbedürftige Kinder ausweiten. Vorschulkinder, die Sprachschwierigkeiten haben, sollen von 2012 an ein Jahr vor der Schule nicht mehr nur drei Stunden, sondern fünf Stunden täglich gefördert werden. Zudem will die Bildungssenatorin den Druck auf jene Familien, die sich der Kita-Pflicht entziehen, durch Bußgelder erhöhen.

Die Einschulungsuntersuchungen belegen auch, dass es einen unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Sprachkenntnissen und dem Kita-Besuch gibt. Denn ebenso detailliert ist in der Studie auch der Anteil der Kinder aufgeführt, die länger als zwei Jahre eine Kita besucht haben. Absoluter Spitzenreiter ist Lichtenberg-Süd, also der Stadtteil, der berlinweit am besten bei den Sprachkenntnissen abschnitt. In der Region Karlshorst und Rummelsburger Bucht besuchen mit 97,5 Prozent nahezu alle Kinder länger als zwei Jahre eine Kita. Am geringsten fällt dieser Anteil der Kinder in den Kitas in Gesundbrunnen aus - mit 73,9 Prozent. Gesundbrunnen ist auch der Stadtteil mit den schlechtesten Werten im Sprachtest.

Die Bildungssenatorin plädiert dafür, den Ausbau der Kita-Plätze voranzutreiben. "Statt Betreuungsgeld einzuführen für Kinder, die zu Hause bleiben, sollte das Geld eher in den Ausbau der Kita-Plätze gesteckt werden", sagte Scheeres. Nach einem Beschluss des Senats sollen in Berlin in den kommenden vier Jahren fast 19.000 neue Kita-Plätze geschaffen werden. Dafür sind 20 Millionen Euro bereitgestellt worden. Das Problem ist allerdings der dramatische Fachkräftemangel. Schon jetzt können Tausende Kita-Plätze nicht besetzt werden, weil es nicht genügend Erzieher gibt. In Bezirken wie Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg oder Neukölln müssen sich Eltern deshalb in lange Wartelisten einschreiben.