Lobbyisten

Abwarten und Geld verdienen

In Washington arbeiten 100 Menschen als Schlangesteher für Lobbyisten

- Es ist kurz nach neun Uhr im US-Kongress. Eric Hopkins, 44 Jahre, tritt von einem Fuß auf den anderen. Seit vier Uhr morgens steht er in einer langen Schlange in einem Nebengebäude des Parlaments. Noch eine Stunde muss er durchhalten. Hopkins' Beruf heißt "linestander" - Schlangesteher. Wann immer im Kapitol oder im Supreme Court, dem höchsten Gericht der USA, eine wichtige Anhörung stattfindet, treten Hopkins und seine schätzungsweise mehr als 100 Kollegen in Aktion. Ihre Aufgabe ist es, in der Schlange vor dem Einlass für Lobbyisten einen Platz freizuhalten. "Die Leute sind so wichtig, dass sie ihre Zeit nicht mit Warten verplempern wollen", sagt Hopkins.

Wie wichtig der Job als Schlangesteher im Laufe der Jahre geworden ist, zeigt die Tatsache, dass sich mittlerweile eine Handvoll Unternehmen auf dem Markt tummeln, die professionelles Warten anbieten. 28,50 Euro pro Stunde zahlen die Auftraggeber dafür - meistens an Studenten, Rentner oder Menschen, die arbeitslos sind, und für Lobbyisten einspringen. Diese Interessenvertreter spielen in der amerikanischen Politik traditionell eine große Rolle - eine viel zu große, wie Kritiker meinen. Als besonders mächtig und einflussreich gelten etwa die Vertreter der Öl- und der Pharmaindustrie sowie die Lobbyisten aus der Wall Street und die der Rüstungshersteller. Niemand kommt an ihnen vorbei.

Richtig schwierig sei das Anstehen gewesen, als es um die umstrittene Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama ging. "Drei Tage im Voraus standen wir vor dem Supreme Court", erzählt Hopkins. "Wir haben im Schichtbetrieb gearbeitet und zwischendurch im Auto geschlafen." Schlangestehen lieben Lobbyisten nicht. Zeit ist eben Geld.