Zoll

Immer mehr Drogen in Berlin

Zoll: Menge von sichergestelltem Marihuana verdreifacht - Fahnder heben Cannabis-Plantagen aus

- Die Mengen beschlagnahmter Drogen wie etwa Marihuana und Haschisch sind im Bereich des Zollfahndungsamts Berlin-Brandenburg in jüngster Zeit drastisch gestiegen. Das belegen sowohl die Jahresbilanz für 2011 als auch die Ermittlungserfolge des laufenden Jahres. So konnten Berliner Zollfahnder im Vorjahr 67 Kilogramm Marihuana einziehen. Das ist deutlich mehr als die dreifache Menge des Jahres 2010, als der Zoll 19 Kilogramm der Droge beschlagnahmte. Auch bei der Sicherstellung von Haschisch stieg die beschlagnahmte Menge um mehr als 20 Prozent auf 68 Kilogramm an. 2010 hatte der Zoll in der Region 53 Kilo konfisziert.

Hinzu kommt eine drastische Zunahme von sichergestellten Cannabispflanzen, die in sogenannten Indoor-Plantagen gezüchtet werden. Mit teils aufwendiger Licht- und Bewässerungstechnik wird so auch in einfachen Wohnungen immer wieder Cannabis gezüchtet. Die Zahl der gefundenen Pflanzen ist nun stark gestiegen: 4300 durch den Zoll eingezogene Pflanzen bedeuten eine Zunahme um mehr als das Fünffache gegenüber 2010, als der Zoll 780 Cannabispflanzen aus dem Verkehr zog. Die Berliner Polizei hatte 2011 auch deutlich mehr Cannabispflanzungen entdeckt als in den Vorjahren. Mit 70 ausgehobenen illegalen Plantagen wurde ein beträchtlicher Anstieg verzeichnet: 2009 wurden 50 und 2010 nur 40 Zuchtanlagen ermittelt.

Die Bandbreite erstreckte sich dabei von Kleinanlagen mit 20 bis hin zu Plantagen von mehr als 1000 Pflanzen. "Anbieter aus den Niederlanden bieten Dealern die komplette Ausstattung von Samen bis Belüftung im Internet an. Inzwischen werden die Anlagen sogar auf Wunsch installiert", sagt Zollsprecher Norbert Scheithauer. Als besonders problematisch sieht der Sprecher, dass gleichzeitig der Wirkstoffgehalt der Pflanzen stetig steigt. Statt mit sechs bis acht Prozent des Rausch erzeugenden Inhaltsstoffs THC (Tetrahydrocannabinol) - wie vor sechs Jahren noch häufig im Umlauf - werde die Ware heute mit 18 bis 20 Prozent verkauft. "Unkundige Konsumenten wirft solch ein Kraut komplett um", so Zollsprecher Scheithauer. Grund sei die Nachfrage nach einer immer extremeren Wirkung.

Gemeinsam mit der Polizei gelang der Zollfahndung im August 2011 zudem der größte Kokain-Aufgriff seit mehr als drei Jahrzehnten. Rund 100 Kilo der für den Berliner Markt bestimmten Droge konnten in Bremerhaven auf einem venezolanischen Frachter beschlagnahmt werden. Das hochreine Rauschgift wurde in einer Ladung Rohkaffee entdeckt und hätte auf dem Schwarzmarkt sieben bis zehn Millionen Euro eingebracht. Der von Türken dominierte Schmugglerring, der die Verteilung über einen Kulturverein organisierte, wurde zerschlagen. Kopf der Bande war ein 50 Jahre alter Türke. Gegen ihn und sechs weitere Tatverdächtige hat der Prozess in diesem Monat begonnen. Die Ermittlungen gegen die Bande hatten zwei Jahre gedauert. Die Täter müssen im Fall einer Verurteilung mit Freiheitsstrafen von bis zu 15 Jahren rechnen.

Bei der Bekämpfung der Drogenkriminalität arbeitet die Zollfahndung mit der Kriminalpolizei in gemeinsamen Ermittlungsgruppen zusammen. Diese bestehen jeweils zur Hälfte aus Kriminalbeamten des Landeskriminalamts und Zollfahndern. Erst vor vier Wochen gelang der Gemeinsamen Ermittlungsgruppe Rauschgift ein gewaltiger Schlag gegen den Handel mit Cannabis. Insgesamt 273 Kilogramm Haschisch und Marihuana konnten im April nach langwierigen Ermittlungen sichergestellt und eine Dealergruppe festgenommen werden. Seinen Ursprung hatte der Fahndungserfolg in einem Zugriff durch Zollfahnder in Lübeck im Jahr 2010. Dort hatten die Beamten eine Ladung von 50 Kilogramm Haschisch aufgespürt und als Lieferant einen 49-jährigen Berliner identifiziert.