Berlin

Olympiastadion in Finanznot

Der Abstieg von Hertha BSC kostet Berlin Millionen - Auch Einnahmen aus Logen sinken

- Der Abstieg von Hertha BSC aus der ersten Fußball-Bundesliga wird das Land Berlin Millionen kosten. Nicht nur sinken die Steuereinnahmen, wenn das Fußball-Unternehmen sein Budget von zuletzt 70 Millionen Euro pro Jahr auf Zweitliga-Niveau abschmilzt. Es gibt auch direkte Folgen für die landeseigene Betreibergesellschaft des Olympiastadions, weil der beste Kunde nicht länger so viel bezahlt wie bisher.

Wie Hertha bereits eingeräumt hat, stundet die Olympiastadion GmbH ihrem größten Mieter in der zweiten Liga die Miete. Das gleiche Entgegenkommen hatte Berlin schon beim vorigen Abstieg 2010 gezeigt. Wie stark diese Subvention die Landeskasse oder die landeseigene GmbH belasten wird, wollte Innen- und Sportsenator Frank Henkel (CDU) nicht verraten. Vertrauliche Unterlagen aus seinem Hause belegen jedoch, dass sich die Einbußen auf drei Millionen Euro summieren können.

Gemäß dem Pachtvertrag mit der Olympiastadion GmbH, der bis 2017 läuft, zahlt Hertha in der Bundesliga insgesamt 3,544 Millionen Euro; in der zweiten Liga sind es nur 2,55 Millionen Euro. Indem der Senat Hertha nun auch diese Pacht stundet, fallen im Vergleich zur normalen Erstliga-Saison 3,5 Millionen an Einnahmen weg. Unklar ist zudem, ob Hertha diesen Millionenkredit zurückzahlen kann, falls der Verein auch in der übernächsten Saison noch in der zweiten Liga spielt. Zwar ist die Liquidität der überschuldeten Gesellschaft aktuell nicht bedroht, wie Sport-Staatssekretär Andreas Statzkowski in einem Bericht an die Parlamentarier ausführt. Das liegt aber nur daran, dass die früheren Gesellschafter Walter Bau und Hertha BSC ebenso wie das Land auf die Rückzahlung ihrer Darlehen vorerst verzichten.

Für den Stadionbetreiber, der jährlich eine Million Euro fix und die Hälfte seines Jahresüberschusses von zuletzt 149.000 Euro (2011/2012) ans Land Berlin überweisen muss, wäre ein dauerhafter Niedergang seines Haupt-Umsatzbringers mittelfristig kaum zu verkraften. Laut Wirtschaftsplan, den der Aufsichtsrat noch nicht genehmigt hat, soll Hertha BSC rund die Hälfte des Jahresumsatzes von 11,5 Millionen Euro bringen. Aus Konzerten sind in diesem Jahr 1,17 Millionen Euro vorgesehen, in den kommenden Jahren etwas weniger. Für diesen Sommer kündigt das Olympiastadion nur ein großes Konzert an: Am Mittwoch gastiert der "Boss" Bruce Springsteen in der Arena. Auch die Logen-Auslastung macht den Betreibern Sorgen. Denn seit der Affäre um den Ex-Bundespräsidenten Christian Wulff verzichten viele Unternehmen auf Logenbuchungen, weil sie nicht in den Verdacht der Bestechung geraten wollen. Ansonsten bringt das DFB-Pokalfinale 535.000 Euro, das Leichtathletik-Sportfest Istaf 150.000. Diverse kleinere Veranstaltungen erbringen 1,25 Millionen Euro.

Viel Spielraum, die Einnahmen zu erhöhen, hat das Olympiastadion ohne seinen Ankermieter Hertha nicht. Zumal den Abgeordneten im Vermögensausschuss auch noch ein weiteres Detail der Vertragsgestaltung bekannt gemacht wurde. Sollte Hertha in der zweiten Liga bleiben, gehen auch die Einnahmen aus dem Catering, rund eine Million Euro im Jahr, die bisher an die GmbH fließen, an den Club.