Kriminalität

Anschlag in Berlin: Vermummte greifen Polizei an

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Michael Behrendt

Streifenwagen mit Molotowcocktail attackiert. Innensenator Henkel: "Heimtückische Tat"

- Unbekannte haben in der Nacht zum Sonntag in Kreuzberg einen Anschlag auf einen Streifenwagen der Polizei verübt. Dabei schleuderten sie Feuerwerkskörper in den Wagen. Die beiden Beamten blieben unverletzt. Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) verurteilte "diese heimtückische und skrupellose Tat". Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sprach von einem "gezielten Tötungsversuch von Polizisten", wie ihr Berliner Geschäftsführer Klaus Eisenreich sagte. Der Polizeiliche Staatsschutz hat die Ermittlungen übernommen.

Der Polizeikommissar und der Polizeiobermeister suchten gegen 22.10 Uhr nach einem Raubüberfall die Umgebung der Reichenberger Straße ab. An der Mariannenstraße mussten sie an einer roten Ampel stoppen, vor ihnen stand ein weiteres Fahrzeug. In diesem Moment kam es zu dem Anschlag.

Mehrere Vermummte seien auf das Fahrzeug zugestürmt und hätten die Heckscheibe mit einem Pflasterstein zerstört, sagte Polizeisprecher Stefan Redlich der Berliner Morgenpost. Einer der Täter habe die Autotür aufgerissen und "bengalisches Feuer" ins Fahrzeuginnere geworfen. Dadurch sei im Bereich der Rücksitze Feuer ausgebrochen. "Gleichzeitig wurden zahlreiche Steine gegen das Auto geschleudert", sagte Stefan Redlich. Zudem sei an der Fahrertür ein Molotowcocktail explodiert, die Unbekannten sollen das Fahrzeug mit Steinen regelrecht eingedeckt haben. Spurensicherungsexperten sollten später mehr als 20 Stück davon am Tatort sichern.

"Ich habe großen Respekt davor, wie tapfer sich diese beiden Beamten, die nicht mit einer solchen Gewaltattacke rechnen konnten, aus dieser Situation befreit haben", sagte Redlich. "Die Kollegen konnten nicht nach vorn entkommen, sondern mussten erst zurücksetzen, während ihr Wagen innen wie außen brannte - und zudem weiterhin Steine einschlugen." Der Qualm im Wageninneren sei so dicht gewesen, dass die Beamten zeitweise das Funkgerät nicht hätten erkennen können. Trotzdem sei es den beiden Polizisten gelungen, bis zur nächsten Tankstelle zu fahren und dort die Flammen zu löschen. Die Ermittler gehen von einem vorbereiteten Angriff aus. Dafür würden die mitgeführten Waffen sprechen. Bei der Untersuchung des Tatortes sind mehrere Brandsätze gefunden worden.

Innensenator Frank Henkel (CDU) reagierte bestürzt auf den Zwischenfall. "Ich frage mich, wie hasserfüllt einige sein müssen, um so einen feigen Überfall zu begehen. Das ist eine Dimension, die mich fassungslos macht. Ich bin froh, dass meinen Beamten nichts Schlimmeres passiert ist." Die Täter hätten es gezielt auf die Gesundheit und das Leben von Menschen abgesehen. GdP-Vertreter Eisenreich hofft, dass die Täter gefasst werden. "Eigensicherung und Vorsicht sind in dieser Stadt rund um die Uhr unabdingbar", sagte er.

Ein ranghoher Polizeiführer geht davon aus, dass viele militante Extremisten wütend darüber sind, am 1. Mai keine schlimmeren Ausschreitungen angezettelt zu haben und deshalb jetzt gezielt auf die "Jagd" gingen. Bereits vor dem 1. Mai hatte im Internet gestanden, dass der Monat "viele Tage" habe. In Kreuzberg hatten sich in den vergangenen Wochen verstärkt Autonome und Anwohner gegen eine befürchtete Gentrifizierung ihres Bezirks gewehrt.

Außer der Polizeistreife, die in der Nacht zu Sonntag attackiert wurde, wurden am Heinrichplatz gegen 22 Uhr aus einer etwa 30-köpfigen Personengruppe heraus Feuerwerkskörper gezündet und in der Mariannenstraße Baustellenbaken auf die Fahrbahn gestellt.

Unterdessen warnte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) trotz der relativ glimpflich abgelaufenen Veranstaltungen zum diesjährigen Tag der Arbeit davor, vorschnell schon heute über die Polizeipräsenz für den 1. Mai 2013 zu reden. Die Bilanz gebe auch "keinen Anlass zum Jubeln", sagte der Regierende Bürgermeister. Der Friede sei nur mit massivstem Polizeiaufgebot "einigermaßen garantiert" worden. Er verwies darauf, dass in diesem Jahr 124 Beamte verletzt wurden, 24 mehr als im Vorjahr. Deshalb sei es jetzt noch "viel zu früh", detailliertere Rückschlüsse für künftige Polizeieinsätze zu ziehen.