Ausschreitungen

Krawalle vor Jüdischem Museum - Mai-Demonstration abgebrochen

Erneut Gewalt nach Einbruch der Dunkelheit - Friedlicher Protest gegen Rechtsextreme

- Bei der berüchtigten "Revolutionären 1. Mai-Demo" hat es am 1. Mai unmittelbar nach Einbruch der Dunkelheit wie schon in den Vorjahren wieder Ausschreitungen gegeben. Nach zunächst weitgehend friedlichem Beginn flogen gegen 21 Uhr im Bereich des Jüdischen Museums an der Lindenstraße in Kreuzberg Steine und Flaschen, Feuerwerkskörper wurden gezündet. Dort stoppte die Demonstration von etwa 15.000 Menschen. Ein Wachhäuschen vor dem Jüdischen Museum wurde angegriffen. Augenzeugen berichteten zudem von einem angegriffenen Supermarkt, eingeschlagenen Scheiben, Barrikaden, zwei attackierten Tankstellen, die Lage erschien zeitweilig unübersichtlich. Die Polizei setzte Tränengas ein und nahm mehrere Randalierer fest.

Der Veranstalter erklärte daraufhin gegen 21.15 Uhr die Demonstration für beendet. Ursprünglich sollte der Zug in diesem Jahr erstmals bis nach Mitte führen, über die Wilhelmstraße und den Boulevard Unter den Linden zum Endpunkt Bebelplatz. Stattdessen strömten zahlreiche teils vermummte Demonstranten in Kleingruppen zurück in den Kiez SO 36, wo der Zug zuvor gestartet war. Dort bezogen am Abend auch starke Einheiten der insgesamt 7000 Polizisten Stellung, um mögliche Übergriffe randalierender Autonomer auf Besucher des Myfestes zu verhindern. Dazu kam es zunächst nicht. Genaue Angaben über die Zahl der Festnahmen und verletzten Beamten lagen zunächst nicht vor.

Erst im Verlauf des Abends wurde bekannt, dass einzelne Teilnehmer der sogenannten 18-Uhr-Demo sich bereits am Startplatz des Aufzuges vermummten und mit Steinen und anderem Wurfmaterial eindeckten. Dennoch verlief der Aufzug, bei dem es in der Vergangenheit immer wieder zu Ausschreitungen gekommen war, zunächst ruhig und ohne Zwischenfälle. Auch die dem 1. Mai vorangegangene Walpurgisnacht blieb in diesem Jahr weitgehend frei von Zwischenfällen. Anders als in den vergangenen Jahren, als die Veranstaltungen vor allem am Boxhagener Platz in Friedrichshain und am Mauerpark in Prenzlauer Berg stattfanden, zogen 3300 Demonstranten am Montagabend erstmals durch Wedding. Bei der dortigen Bevölkerung hatte die Ankündigung zunächst Verunsicherung ausgelöst. Befürchtungen, gewaltbereite Extremisten könnten sich mit dort lebenden Jugendlichen zu Ausschreitungen zusammenschließen, erfüllten sich allerdings nicht. Ein Polizeiführer sprach von einem für Berliner Verhältnisse "absolut friedlichen Verlauf". Nur vereinzelt flogen Steine und Flaschen, auf Hausdächern wurden Feuerwerkskörper gezündet.

Bereits am Dienstagnachmittag hatte die NPD zu drei Kundgebungen in den Berliner Stadtteilen Hellersdorf und Hohenschönhausen aufgerufen. Die Resonanz blieb jedoch dürftig, gerade mal 70 Rechte fanden sich ein. Etwa 550 Gegendemonstranten protestierten friedlich gegen die rechten Aufmärsche. Trotz der abendlichen Ausschreitungen zeigte sich Innensenator Frank Henkel (CDU) "überwiegend zufrieden". Die allermeisten Veranstaltungen seien friedlich verlaufen, für eine abschließende Bewertung sei es allerdings noch zu früh, sagte der Senator.