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Berliner freuen sich auf den neuen Flughafen BER in Schönefeld

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Joachim Fahrun

Nicht einmal jeder Dritte hat Befürchtungen, Mehrheit ist gegen strenges Nachtflugverbot

- Die Bürger der Hauptstadt sehen der Eröffnung des neuen Flughafens in Schönefeld am 3. Juni mit Optimismus entgegen. 62 Prozent verbinden mit dem BER Willy Brandt positive Erwartungen. Nicht einmal jeder Dritte (30 Prozent) hat eher Befürchtungen. Eine Mehrheit erwartet auch weniger Belastungen durch Fluglärm, wenn Tegel geschlossen und der neue Flughafen eröffnet ist. Für ein striktes Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr und sechs Uhr plädiert nur eine wenn auch starke Minderheit.

Das sind die Ergebnisse des Berlin Trends der Berliner Morgenpost und der RBB-"Abendschau". Infratest Dimap befragte dafür zwischen dem 13. und 16. April 1000 wahlberechtigte Berliner.

Die Bürger im Ostteil der Stadt sehen den Ergebnissen zufolge das größte Infrastrukturprojekt Ostdeutschlands mit 67 Prozent deutlich positiver als die Menschen in den westlichen Bezirken, wo nur 59 Prozent dieser Ansicht sind.

Bemerkenswert ist, dass auch in den Teilen der Stadt, die aller Voraussicht nach unter den neuen Flugrouten vom und zum neuen Airport leiden werden, eine Mehrheit trotzdem nicht gegen den Flughafen ist. Auch in Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf, wo es seit Monaten starke Proteste gegen wachsenden Fluglärm gibt, sehen immer noch 57 Prozent den Flughafen positiv. Nur 33 Prozent hegen eher Befürchtungen.

Den meisten Berlinern ist auch klar, dass mit dem neuen Flughafen am südöstlichen Stadtrand sehr viele Bürger vom Fluglärm entlastet werden, unter dem jetzt durch den Flughafen Tegel vor allem Pankow, Wedding, Reinickendorf und Spandau zu leiden haben. 57 Prozent der Befragten sind der Ansicht, es werde für die Stadt insgesamt weniger Krach durch startende und landende Jets geben. 32 Prozent erwarten hingegen eher eine zusätzliche Belastung.

Unter den potenziell Betroffenen in den Bezirken, über die die Flugrouten führen werden, ist die Einschätzung hingegen eine andere. Hier überlagert das persönliche Erleben die gesamtstädtische Perspektive. In Marzahn-Hellersdorf, Treptow-Köpenick und Steglitz-Zehlendorf erwarten 44 Prozent mehr Lärm durch Flugzeuge, nur 39 Prozent glauben an eine Entlastung. Wenn man diese drei Bezirke aus der Befragung herausrechnet, zeigt sich, dass unter den übrigen Berlinern fast zwei Drittel (64 Prozent) dem BER mit freudiger Erwartung entgegensehen.

Eine Mehrheit der Berliner, wenn auch eine knappe, hält auch nichts von einem strengen Nachtflugverbot zwischen 22 Uhr am Abend und sechs Uhr am Morgen. 52 Prozent sind der Ansicht, zumindest Flüge in den Randzeiten zwischen 22 und 24 Uhr sowie zwischen fünf und sechs Uhr sollten möglich sein. Damit folgen diese Befragten der Linie der Flughafengesellschaft, die auch das Bundesverwaltungsgericht bestätigt hat. Starts und Landungen in den Randzeiten gelten als eine Voraussetzung, um Fluggesellschaften anzuziehen, die Langstreckenlinien von und nach Asien bedienen, und Berlin zu einem Drehkreuz für den weltweiten Flugverkehr auszubauen. Vor allem jüngere Leute sind deutlich dafür. 60 Prozent der 18- bis 24-Jährigen und 55 Prozent der 30- bis 44-Jährigen sind gegen ein striktes Nachtflugverbot.

43 Prozent der Berliner plädieren hingegen für ein Verbot regulärer Starts und Landungen vom Abend bis zum frühen Morgen. Dieser Anteil ist auch in den von den Flugrouten betroffenen Regionen der Stadt mit 45 Prozent kaum größer. Selbst in den drei künftig überflogenen Bezirken ist eine knappe Mehrheit von 51 Prozent der Bürger dafür, den Airlines einen Betrieb auch später am Abend und früher am Morgen zu ermöglichen.

Die Berliner freuen sich auch darauf, den neuen Flughafen lebhaft zu nutzen. Im Durchschnitt 4,3 Mal pro Jahr beabsichtigt jeder der Befragten, geschäftlich oder privat vom BER aus zu fliegen. Nur ein Viertel der Bürger gab an, überhaupt nicht per Flugzeug auf Reisen gehen zu wollen. Knapp die Hälfte gehört zu der Gruppe, die ein oder zweimal im Jahr in den Urlaub fliegt. Aber es gibt in der Stadt auch eine beachtliche Zahl Vielflieger. Jeder Fünfte will den BER drei- bis neunmal pro Jahr nutzen, fünf Prozent sogar zehnmal oder öfter. Unter den Menschen, die den neuen Flughafen am häufigsten nutzen wollen, sind die jüngeren Leute unter 29 Jahren die am stärksten vertretene Altersgruppe.