Karaseks Woche

Der unbelehrbare Pauker

Wie Günter Grass sich in Altersstarrsinn verschließt

Hier nun mal eine geopolitische oder auch kulturhistorische Frage: Was haben die drei Länder DDR (+ 1990), Birma (auch Myanmar) und Israel gemeinsam? Die Antwort ist schnell gesagt. Sie haben alle drei Günter Grass die Einreise verweigert. "Die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR genannt, machte auf Geheiß des Ministers für Staatssicherheit, namens Mielke, den Anfang ... Dann wurde uns in Birma, mit der Begründung 'unerwünscht' die Einreise verweigert."

In beiden Fällen, so Grass, war das die "in Diktaturen übliche Praxis". "Und nun", so Grass mit unheilschwangerer Schwere, "ist es der Innenminister einer Demokratie, des Staates Israel, der mich mit einem Einreiseverbot bestraft". Es erinnere "dem Tonfall nach an das Verdikt Mielkes". Au warte, Israel!

Israel ist wie die DDR, nur schlimmer, und es wird schon sehen, was es davon hat. Das Fazit von Grass lautet: "Die DDR gibt es nicht mehr. Aber als Atommacht von unkontrolliertem Ausmaß begreift sich die israelische Regierung als eigenmächtig und ist bislang keiner Ermahnung zugänglich." Ein strenger Schulmeister, der alte Moralpauker. Israel wird nicht versetzt. Und weiter Grass: "Allein Birma lässt kleine Hoffnung keimen." So steht der Judenstaat jetzt: unbelehrbar zwischen einer DDR, die es nicht mehr gibt, und einem Birma, in dem die Hoffnung blüht.

Ein trauriges Los! So muss Grass seine "hilfreichen Erinnerungen an mehrere Reisen nach Israel wachhalten". An die Stille der Wüste! An Gespräche mit dem letzten Syndikus der jüdischen Gemeinde seiner Heimatstadt Danzig, und immer noch sind ihm die "endlosen nächtlichen Dispute mit Freunden im Ohr". Da kann man sich vorstellen, wie sich der jüdische Syndikus bei den Schnurren, die Grass aus seiner Waffen-SS-Zeit erzählte, staunend auf die Schenkel schlug. Wie Grass seine jüdischen Freunde darüber belehrte, dass er dem Rassismus nicht bei der SS begegnet sei, sondern erstmals in der US-amerikanischen Gefangenschaft. Da merkte er nämlich, wie die weißen Offiziere die schwarzen Soldaten behandelten. Seit der Zeit weiß er, was Besatzer sind. Siehe Palästina! Dass er der Unbelehrbare ist, der von Israel nichts anderes fordert als dessen Selbstaufgabe, sieht er nicht ein. So kann man zu Lebzeiten sich mit letzter Tinte ein Einreiseverbot für jegliche Einsicht in das eigene Innere verhängen.

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost