Gedenken

Bundesregierung soll sich um Checkpoint Charlie kümmern

CDU fordert mehr Engagement für den historischen Ort. Grundstücke werden zwangsversteigert

- Neue Ideen für den Checkpoint Charlie: "So ein historischer Ort darf nicht an irgendeinen Investor durch Zwangsvollstreckung verscherbelt werden", sagte der Vorsitzende der Landesgruppe Berlin in der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Kai Wegner, der Berliner Morgenpost. Der Checkpoint Charlie müsse "endlich würdevoll" genutzt werden. Gemeinsam mit der Vorsitzenden des Kulturausschusses im Bundestag, Monika Grütters (CDU), fordert Wegner, dass "der Bund gemeinsam mit dem Land Berlin prüfen und diskutieren sollte, was man auf diesem historischen Boden machen will". Indirekt wird damit angeregt, dass Bund und Berlin die Grundstücke kaufen sollen.

In dieser Woche war bekannt geworden, dass die zwei noch unbebauten Grundstücke am Checkpoint Charlie am 10. Mai zwangsversteigert werden sollen, da der Eigentümer, eine irische Investmentgruppe, offenbar finanzielle Schwierigkeiten mit dem Areal hat. Die genauen Hintergründe sind jedoch unklar. Deshalb könnten jetzt auch die Pläne des Berliner Senats für den historischen Erinnerungsort scheitern. Denn mit dem bisherigen Investor, der die Grundstücke Friedrichstraße 47 und 205 mit Wohnungen, Geschäftsräumen und Büros bebauen wollte, gab es eine Vereinbarung. Demnach sollte in einem der Neubauten das "Museum des Kalten Krieges" einziehen. Bis zum Baubeginn war dort eine Zwischennutzung vereinbart.

"Freedom Park" mit Imbiss-Ständen

Auf der einen Seite der Friedrichstraße wird im Sommer die "Black Box" als provisorisches Museum von der Senatskulturverwaltung eröffnet. Das Areal gegenüber ist an eine private Firma verpachtet, die dort den "Freedom Park" eröffnete - Stände mit Imbissen und Souvenirs.

Unangemessen findet die CDU die jetzige Nutzung der Fläche. "Bereits heute wird der Checkpoint Charlie durch die Brachfläche, die Bretterbuden mit Fast Food und dem unsäglichen DDR-Kitsch missbraucht", kritisierte Wegner. Stattdessen müsse dort eine "angemessene Gedenk- und Erinnerungskultur" stattfinden. Die Bundestagsabgeordnete Grütters warnte davor, "dieses historische Areal sich selbst zu überlassen". Grütters kritisierte den Berliner Senat angesichts der bevorstehenden Zwangsversteigerung dafür, "allzu nonchalant" die Entwicklungen abzuwarten. Die Hauptstadt habe schon ausreichend schwierige Erfahrungen mit Investoren gemacht, sagte Grütters. Sie verwies etwa auf das Alte Postfuhramt oder das Tacheles. "Man kann einem neuen, jetzt noch unbekannten Investor nicht mehr historisches Bewusstsein unterstellen, als man selbst bisher dort gezeigt hat", sagte Grütters. Es sei kaum mehr als ein "frommer Wunsch", davon auszugehen, dass auch ein neuer Investor in seinem Neubau das geplante Museum beherbergen werde. Grütters forderte, Bund und Land müssten sich jetzt "schnell einen Ruck geben" und offen zusammen erörtern, was für die historische Mitte der Hauptstadt getan werden sollte.

Ob der Bund allein oder zusammen mit Berlin selbst die Grundstücke kaufen könnte, ließen die CDU-Politiker offen. Auch die Senatskulturverwaltung wollte am Sonnabend ein mögliches Engagement von Bund und Land nicht weiter kommentieren. Klar wurde dagegen, dass die Kulturverwaltung gemeinsame Anstrengungen in Hinblick auf die Zwangsversteigerungen für nicht erforderlich hält. "Wir sehen die Lage gerade ganz gelassen", sagte Sprecher Torsten Wöhlert. Auch in der Vergangenheit habe es keine Schwierigkeiten gegeben, den Investor davon zu überzeugen, dass ein Museum mit 300.000 Besuchern im Jahr ein attraktiver Mieter für den Neubau an der Friedrichstraße wäre. Bislang rechnet der Senat nicht damit, dass es durch die Zwangsversteigerung zu einem Investorenwechsel kommt. "Wir sehen keine Anzeichen dafür", sagte Sprecher Wöhlert. Die Kulturverwaltung geht weiter davon aus, dass die bisherige Planung nicht infrage steht. Je nachdem, wann der Investor mit dem Neubau beginne, könne "das neue Gesicht des Checkpoint Charlie" bis 2017 fertig sein, sagte Wöhlert.