Geisteruhr

Das Wunder des Patriarchen

Russland lacht über eine Geisteruhr auf einem Foto von Kirill I.

- Zu Ostern üben sich viele Russen in Bescheidenheit, allen voran die russisch-orthodoxe Kirche. Doch ausgerechnet in dieser Zeit brodelt Moskau vor Gerüchten über den ausschweifenden Lebensstil des Patriarchen Kirill I. Von einer Luxusuhr der Marke Breguet wird sogar berichtet, im Wert von 30.000 US-Dollar. Fotos sollen aufgetaucht sein, auf denen Kirill I. mit dem Luxus-Chronographen zu sehen ist. Für den Patriarchen ein unhaltbarer Zustand.

Der Kirchenmann geht von einer Verschwörung aus. Die Fotos mit der Breguet seien eine Montage, in Wirklichkeit trage er "eine kleine, billige Uhr mit dem russischen Wappen", die er von Präsident Dmitri Medwedjew geschenkt bekommen habe. Er besitze zwar eine Breguet, die sei aber ebenfalls ein Geschenk gewesen und liege noch in der Geschenkbox.

So weit, so gut. Allerdings fanden jetzt russische Blogger auf der Website des Patriarchen ein seltsames Foto aus dem Jahr 2009. Dort ist Kirill I. im Gespräch mit Justizminister Alexander Konowalow zu sehen - mit ungewöhnlich langen schwarzen Ärmeln. Das Fatale: In der blank polierten Tischoberfläche findet sich die Spiegelung einer luxuriösen Uhr, die aber an Kirills Arm fehlt.

Seitdem lacht Russland über das Wunder des Patriarchen - beziehungsweise die schlechte Retusche. Das Foto verschwand wundersam schnell und wurde durch das unretuschierte Exemplar ersetzt - allerdings in so geringer Auflösung, dass die Uhrenmarke nicht mehr zu erkennen ist. Wie eine "kleine, billige Uhr" sieht sie aber nicht aus.

Dazu kommt gleich die nächste Affäre: Der Kirchenmann besitzt auch eine große Wohnung in Moskau, wo seine Cousine wohnt und seine wertvolle Bibliothek untergebracht ist. Nun verklagt er einen Nachbarn, weil beim Renovieren Staub von dessen Wohnung in die von Kirill I. hochgestiegen sei und die wertvolle Bibliothek beschädigt habe. 500.000 Euro Schadenersatz fordert Kirill deshalb.

Für das Foto hat sich die Kirche entschuldigt. Man sei das Opfer einer Hetz-Kampagne. Aber wer eine Geisteruhr hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.