Finanznot

Drohende Insolvenz: Berliner Gewerbehöfe vor dem Aus

Gewerbeflächenanbieter GSG in Finanznot. 1600 Betriebe mit 15.000 Mitarbeitern betroffen

- 299.864.800,12 Euro: Exakt diese Summe fordert die Royal Bank of Scotland (RBS) von Berlins größtem Büro- und Gewerbeflächenanbieter, der Orco-GSG. Sie vermietet nach eigenen Angaben Räume an rund 1600 kleine und mittelständische Unternehmen mit mehr als 15.000 Mitarbeitern. Stadtweit nutzen die Mieter rund 815.000 Quadratmeter, verteilt auf 216 Gebäude. Damit gehöre Orco-GSG zu den führenden Anbietern von Büro- und Gewerbeflächen in Berlin.

Das könnte nun bald vorbei sein. Fälligkeitsdatum der knapp 300 Millionen Euro ist der 16. April. Dann läuft der Kredit aus, mit dem die Orco Germany vor fünf Jahren die einstmals landeseigene Gewerbesiedlungsgesellschaft GSG erworben hat. Sollte das Unternehmen die Forderungen nicht erfüllen können, droht ihm die Insolvenz. Das würde auch die in den Gewerbehöfen eingemieteten Firmen bedrohen, etwa Drucker, Graveure, Kfz-Mechaniker.

Auf Nachfrage der Berliner Morgenpost erklärte Oliver Schlink, kaufmännischer Geschäftsführer bei der Orco-GSG, am Mittwoch, dass man derzeit an der Lösung des Problems arbeite. "Über die Finanzierungssituation der GSG wird derzeit mit der finanzierenden Bank und anderen Banken verhandelt." Über den Stand der laufenden Verhandlungen könne man jedoch "keine Wasserstandsmeldungen abgeben". Das Management der Orco Germany sei aber zuversichtlich, dass die eingeleiteten Schritte "die Basis für eine erfolgreiche Restrukturierung der Finanzierungssituation sein können".

Bei den Mitarbeitern der Orco-GSG, die im monatlich erscheinenden Rundbrief über die aktuellen Vorgänge im Unternehmen informiert werden, verbreitet die Geschäftsführung unterdessen Durchhalteparolen: "Sie können sich sicher sein, dass die Geschäftsführung derzeit buchstäblich Tag und Nacht an diesem Thema arbeitet und im Sinne der Gesellschaft handelt! Lassen Sie sich bitte nicht verunsichern!", heißt es. Man sei mit der Royal Bank of Scotland im ständigen Austausch.

Dabei ist die GSG ein grundsolides Unternehmen: Die Mieteinnahmen konnten in den vergangenen Jahren durch den Abbau von Leerständen kontinuierlich gesteigert werden, knapp 26 Millionen Euro Überschuss wurden im vergangenen Jahr erwirtschaftet.

Das Problem liegt denn auch nicht bei der Gewerbesiedlungsgesellschaft selbst, sondern bei der chronischen Eigenkapitalschwäche des französischen Mutterkonzerns, der Orco Property-Gruppe. Seit 2009 steht die Projektentwicklungsgesellschaft mit ihrem Immobilienvermögen in Paris unter gerichtlichem Gläubigerschutz. Von den deutschen Projektentwicklungen, insbesondere von denen in Berlin, musste sich die Orco längst mit Verlusten trennen. Prominente Bauvorhaben wie das Haus Cumberland am Kurfürstendamm, das Einkaufscenter auf dem Wertheim-Areal am Leipziger Platz oder das Luxus-Wohnquartier Fehrbelliner Höfe in Mitte werden von anderen Investoren realisiert. Als einziger bedeutender Wert verblieb in Berlin zuletzt nur noch die GSG im Besitz der Orco Germany.

Ob die Royal Bank of Scotland die Insolvenz der Orco-GSG anstrebt, ist völlig offen. Auskünfte zu ihren Kreditforderungen gab es am Mittwoch trotz schriftlicher Anfrage nicht.