Karaseks Woche

Seid umschlungen, Billionen

Hellmuth Karasek über atomare Geldspiele

Eine Billion Euro also - das ist die Summe, die der französische Finanzminister für den Euro-Rettungsfonds forderte. Zuerst hoffte ich, dass es sich nur um einen Übersetzungsfehler handelt. One Billion, das ist in den USA eine Milliarde, "nur" eine Milliarde, also 1000 Millionen, aber in England ist eine Billion wie in Deutschland eine Million Millionen, wenigstens an ungeraden Wochentagen, was in Amerika eine Trillion ist. Quadrillion kriegen wir erst im nächsten Haushalt, und das heißt dann Inflation.

Es ist andererseits auch egal, 1000 Millionen hin oder eine Million Millionen her, denn der französische Finanzminister hat beruhigend (wie er findet) und beunruhigend (wie ich finde) diese Brandmauer (auch "Firewall" genannt) mit einer Atombombe verglichen: Die hat man ja auch nur, um abzuschrecken. Mit der Billion schreckt man Griechen, Spanier et cetera ab, weitere Milliarden zu verpulvern.

Nun hat der deutsche Finanzminister, also noch Schäuble, beim Sudoku-Spielen während der Finanzdebatte inzwischen herausgefunden, dass Brandmauern, auch Rettungsschirme, also Firewalls genannt, ohnehin nicht helfen, nachdem er jahrelang Milliarden oder amerikanische Billionen in Rettungsschirme gesteckt hatte. Danach hat er die Franzosen mithilfe anderer Europäer von einer Billion auf 800 Milliarden gedrückt, nicht ohne dem französischen Kollegen seine atombombige Idee durch eine Milchmädchenrechnung noch mal schmackhaft zu machen. 800 Millionen Euro, das seien in den USA ohnehin eine Billion, aber nicht wegen der Benennung, sondern wegen des Dollar-Kurses. Und so ist die Force de Frappe Frankreichs über einen Devisenkurswechsel aufgerüstet worden. Die europäischen Finanzminister haben dem Franzosen ein X für ein U vorgemacht. Allerdings rechnet man bei Rettungsschirmen sowieso nur mit XXL.

In der Bundestagsdebatte dagegen hat Grünen-Fraktionschef Trittin erklärt, man brauche Rettungsschirme, weil man sonst im Regen stünde und nasse Hosen bekäme. Was Außenminister Westerwelle mit der schlagenden Replik konterte: Wenn die Hose von innen nass wird, hilft auch kein Rettungsschirm. Es ist schon eine verrückte Finanzwelt, in der einem Außenminister die Hose von innen nass wird. Da hilft nur Pämpern! Und kein atomares Abschrecken!

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost