Schuhhaus-Kette

Schlag für Berliner Wirtschaft: Leiser meldet Insolvenz an

Schuhhaus-Kette will sich neu aufstellen - 1450 Mitarbeiter betroffen. Verkauf läuft zunächst weiter

- Die Manager beantragten beim Amtsgericht Augsburg, ein sogenanntes Insolvenzplanverfahren zu eröffnen. Das Gericht gab dem Antrag vergangenen Freitag statt.

Leiser ist nun eines der ersten deutschen Unternehmen, das nach dem neuen Insolvenzrecht Esug behandelt wird, das die Sanierung von Betrieben erleichtern soll. Leiser-Geschäftsführer Steffen Liebich sagte der Berliner Morgenpost, das Unternehmen sei im Verfahren vor dem Zugriff der Gläubiger geschützt. Das biete die Chance, sich neu aufzustellen. Der Verkauf läuft zunächst normal weiter. Derzeit betreibt Leiser in Berlin und Potsdam 20 Filialen und ein Outlet-Center, unter der Schwestermarke Schuhhof firmieren elf Läden.

Die Geschäftsleitung hat bis zum 23. Juni Zeit, einen Insolvenzplan vorzulegen, der die Gläubiger zufrieden stellt. Das geschieht anders als in klassischen Insolvenzverfahren unter der Regie des bisherigen Managements. Nach Ablauf der Frist müsste ein beschlossener Plan binnen einiger Monate umgesetzt werden.

Ob ein Teil der 132 Standorte bundesweit geschlossen werden und ob Kündigungen für die 1450 Mitarbeiter nötig sein werden, sei noch offen, sagte Liebich. In Berlin sind 400 Beschäftigte betroffen.

Um die Mitarbeiter zunächst für drei Monate weiter bezahlen zu können, hat das Unternehmen Insolvenzausfallgeld bei der Arbeitsagentur beantragt. "Im März, April und Mai sind die Gehälter gesichert", sagte die Berliner Ver.di-Sekretärin Petra Ringer.

Leiser gehört zu den alteingesessenen Berliner Einzelhandelsketten und zählt zu den führenden Schuhhandelsunternehmen in Deutschland. Die Firma wurde 1891 von Hermann Leiser und Julius Klausner in Berlin gegründet und später an das Familienunternehmen Bahner verkauft.

Für die Berliner Wirtschaft ist das ein schwerer Schlag. Ohnehin fällt die Wirtschaftsleistung der Hauptstadt im Bundesvergleich zurück. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im Jahr 2011 um 2,1 Prozent, Berlin landete damit auf dem 14. Platz der 16 Bundesländer.

Unterdessen gibt es für 10.000 Schlecker-Mitarbeiter keine Hoffnung mehr. Eine Transfergesellschaft, in der der Großteil von ihnen für sechs Monate weiterbeschäftigt werden sollte, scheiterte am Widerstand dreier Länder, in denen die FDP den Wirtschaftsminister stellt - Bayern, Niedersachsen und Sachsen. Sie lehnten die Beteiligung an einer Bürgschaft der Länder in Höhe von 70 Millionen Euro strikt ab. Der Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz verschickte die Kündigungsschreiben. 1000 Mitarbeiter haben selbst gekündigt. Geiwitz fürchtet nun Tausende von Klagen gegen die Kündigungen, was die Suche nach einem neuen Eigentümer für die restlichen 3000 Filialen massiv erschwere.