Bildung

Fehlplanung an Berliner Schulen

Die Schüler an den Gymnasien müssen sich bis zum Ende des Schuljahres auf etliche Ausfallstunden einstellen. Wegen der vielen Prüfungen, die die Lehrer im doppelten Abiturjahrgang abnehmen müssen, werden die restlichen Schüler nach Hause oder auf Wandertage geschickt.

Mindestens eine Woche gibt es an den meisten Oberschulen frei, damit die Lehrer die mündlichen Prüfungen abnehmen können. Der 13. und der 12. Jahrgang legen das Abitur gleichzeitig ab. Hinzu kommen die obligatorischen Prüfungen für alle Zehntklässler.

Dazu gibt es auch noch die sogenannten Korrekturtage, die für weitere Ausfall- oder Vertretungsstunden sorgen. Denn wegen der großen Zahl der Abiturklausuren hat die Bildungsverwaltung den Schulleitungen die Möglichkeit eingeräumt, besonders belasteten Kollegen Korrekturtage zu gewähren, an denen sie die Arbeiten der Schüler bewerten, und gebeten, die Eltern über den Unterrichtsausfall zu informieren, heißt es in der Antwort auf eine Kleine Anfrage von Hildegard Bentele, bildungspolitische Sprecherin der CDU.

"An einigen Schulen werden einfach die Osterferien verlängert", sagt Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin von Reinickendorf. "Einerseits kämpfen wir gegen jede Ausfallstunde, andererseits werden schulfreie Tage praktisch verordnet", so Schultze-Berndt. Der Aufwand hätte wesentlich verringert werden können, wenn die zehnten Klassen an den Gymnasien nicht zu den Prüfungen zum mittleren Schulabschluss verpflichtet wären. Die müssten nun parallel zum Abitur organisiert werden.

"Unter den Eltern herrscht eine große Unzufriedenheit", sagt Günter Peiritsch, Vorsitzender des Landeselternausschusses. "Man ist ja nicht von der Situation überrascht worden, sondern hätte sich rechtzeitig auf den doppelten Abiturjahrgang einstellen können", so Peiritsch weiter. Projekte, die jetzt mehr oder weniger an den unterrichtsfreien Tagen improvisiert würden, hätten vorbereitet werden können. Aber auch der Umgang mit dem mittleren Schulabschluss an den Gymnasien müsse hinterfragt werden, so Peiritsch.

Am Dathe-Gymnasium in Friedrichshain gibt es für alle Jahrgänge, die keine mündlichen Prüfungen haben, sieben freie Tage hintereinander. Das seien doppelt so viele wie normalerweise üblich, so die Schulleiterin Helmke Schulze. Zum Teil würden an diesen Tagen Projekte außerhalb der Schule stattfinden. Insgesamt 40 der 80 Lehrer am Dathe-Gymnasium hätten zudem Anspruch auf mindestens einen Korrekturtag. "Das geht vor allem zulasten der anderen Kollegen, denn die müssen die Stunden in Mehrarbeit vertreten", sagt die Schulleiterin.

Am Lessing-Gymnasium in Mitte haben die Schüler sogar elf unterrichtsfreie Tage. Deshalb wurden alle Klassenfahrten gestrichen, denn sonst gäbe es für die Schüler noch mehr Tage ohne Unterricht. Die Schwierigkeit bestehe vor allem darin, dass das zweite Halbjahr auch ohne die Prüfungstage durch Ferien, Brücken- und Feiertage schon extrem kurz sei, so der Schulleiter Michael Wüstenberg. Das hätte verhindert werden können, indem man den Halbjahreswechsel vorgezogen hätte. Doch einem entsprechenden Vorschlag sei die Senatsbildungsverwaltung nicht gefolgt.

"An einigen Schulen werden einfach die Osterferien verlängert"

Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bildungsstadträtin in Reinickendorf