Staatsbankrott

Schuldenschnitt für Griechenland: Mehrheit der Gläubiger stimmt zu

Bei der Rettung vor dem Staatsbankrott hat Griechenland eine wichtige Hürde genommen. Bereits wenige Stunden vor Ablauf der Annahmefrist war eine ausreichende Beteiligung der privaten Gläubiger am Schuldenschnitt sicher. "Wir haben gerade die 75 Prozent übertroffen, und es geht weiter nach oben", sagte ein Mitarbeiter des griechischen Finanzministers Evangelos Venizelos.

Nach Angaben eines griechischen Regierungsvertreters habe die Quote schon eine Stunde vor Ablauf der Zustimmungsfrist 95 Prozent betragen. Andere Meldungen gaben an, dass auf jeden Fall über 85 Prozent der Beteiligten dem Schuldenschnitt zugestimmt hätten. Das genaue Ergebnis jedoch lag bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor. Insgesamt ging es bei dem mit Spannung erwarteten Umtausch um ein Anleihevolumen in Höhe von 206 Milliarden Euro.

Ursprünglich war damit gerechnet worden, dass Griechenland nach dem erhofften Erreichen der 75-Prozent-Marke die restlichen Anleger zum Schuldenschnitt zwingen muss. Per Gesetz war bereits die Möglichkeit geschaffen worden, mit nachträglichen Umschuldungsklauseln ("Collective Action Clauses", CAC) einen Schuldenschnitt auch gegen den Willen von Investoren zu ermöglichen. Diese Option könnte mit Überschreiten der 90-Prozent-Marke hinfällig sein; der Schuldenschnitt würde etwas "freiwilliger" ausfallen.

Die Euro-Finanzminister wollen am Freitag endgültig über das 130 Milliarden Euro schwere Hilfspaket entscheiden. Voraussetzung für ihr grünes Licht ist der Erfolg beim ebenfalls milliardenschweren Forderungsverzicht der privaten Gläubiger. Das Finanzministerium in Athen plant, erste Ergebnisse am Freitagmorgen offiziell zu veröffentlichen.

Wie es dann konkret weitergeht, dürfte erst nach den Beratungen von Finanzminister Evangelos Venizelos mit seinen Amtskollegen aus den anderen 16 Euro-Ländern bekannt werden. Die Euro-Finanzminister wollen sich in einer Telefonkonferenz mit den Ergebnissen des griechischen Anleihentausch-Angebots beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht auch die endgültige Freigabe des Anfang März grundsätzlich beschlossenen 130-Milliarden-Hilfspakets für Griechenland. Voraussetzung dafür ist, dass der Schuldenschnitt zustande kommt. Das Land hängt bereits seit 2010 am internationalen Finanztropf und hatte damals Hilfszusagen von 110 Milliarden Euro bekommen.

Die sich verdichtenden Anzeichen für einen erfolgreichen Schuldenschnitt Griechenlands gaben den europäischen Börsen Auftrieb. "Die Erwartung, dass die Übereinkunft in Griechenland zustande kommt, hat am Vormittag an den Märkten für gute Laune gesorgt", sagte Stratege Michael Sheldon von RDM Financial. Selbst der unerwartete Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche konnte die Stimmung nicht trüben. Auch der Dow-Jones-Index der Standardwerte legte bis Mittag zu.

"Die Erwartung, dass die Übereinkunft in Griechenland zustande kommt, hat an den Märkten für gute Laune gesorgt"

Michael Sheldon, Stratege von RDM Financial