Indonesien

Krieg der Nägel in Jakarta

Selfmade-Millionäre wissen: Ein gutes Geschäft liegt auf der Straße. Dieses Motto gilt ganz besonders in Jakarta. In der Hauptstadt Indonesiens verdienen sich viele Menschen ihr Geld am Straßenrand mit Reifenreparaturen.

Und damit es genügend Kundschaft gibt, helfen die findigen Geschäftsleute etwas nach. Denn jede Nacht machen sich Unbekannte daran, auf den Straßen Tausende von Nägeln auszustreuen.

Was das Geschäft der Mechaniker ankurbelt, ist für andere existenzbedrohend. Mopedtaxifahrer Talib schimpft: "Ich hatte schon dreimal einen Platten." Und droht sogar mit Gewalt, wenn er mal einen der Nagelstreuer stellen würde.

Dass der Verkehr überhaupt noch rollt, liegt an Menschen wie Siswanto. Der 38-Jährige hat vor zwei Jahren die "Gemeinschaft der Nagelfeger" gegründet. Mit Gleichgesinnten geht er jeden Tag vor und nach seiner eigentlichen Arbeit als Granitverkäufer die Straßen Jakartas ab. Dabei zieht er eine Leiste mit Magneten hinter sich her und sammelt so die Nägel wieder ein. "Seit August haben wir 380 Kilogramm aufgesammelt", sagt der 38-Jährige. Er tut das ohne Lohn - nur aus Gemeinsinn, damit die Armen nicht ihr Geld für neue Reifen ausgeben müssen.

Polizeiangaben zufolge verdienen die Mechaniker und ihre Komplizen durch das Nägelverteilen umgerechnet 34 Euro pro Nacht. In einem Land mit einem monatlichen Mindesteinkommen von 137 Euro pro Monat ist das ein Vermögen. Die Polizei ist machtlos: Zwar hat sie im Dezember acht Nagelmafiosi festgenommen, an dem Problem hat sich aber nichts geändert.

Wie gesagt, ein gutes Geschäft liegt auf der Straße - manchmal sollte es aber unentdeckt bleiben.