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Schlecker schließt jede zweite Filiale - Tausende verlieren Job

Die insolvente Drogeriemarktkette Schlecker entlässt fast 12 000 Mitarbeiter. Nur mit diesem Kahlschlag könne der einstige deutsche Marktführer überleben, sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz am Mittwoch.

Von derzeit noch 5400 Filialen sollen 2400 geschlossen werden, 11 750 der 25 000 Beschäftigten in Deutschland verlieren dadurch ihren Arbeitsplatz. Auch die Berliner Beschäftigten bei Schlecker müssen um ihren Arbeitsplatz bangen.

"Wenn diese tiefen Einschnitte nicht passieren, hat Schlecker keine Überlebenschance", sagte Geiwitz. Die Lage sei dramatischer, als er noch vor wenigen Wochen gedacht habe. Der Verwalter dringt nun doch auf den Einstieg eines neuen Investors bei der einstmals größten deutschen Drogeriekette. Damit ließe sich die Sanierung deutlich beschleunigen, sagte er. Um neue Geldgeber anzulocken, dürfe Schlecker aber von April an keine roten Zahlen mehr schreiben. Die Investmentbank Rothschild soll bei der Suche helfen. Die Osnabrücker Tochter Ihr Platz mit rund 660 Filialen soll getrennt zum Verkauf angeboten werden. Einschließlich der zweiten Marke und der Töchter im Ausland beschäftigte Schlecker zuletzt 32 000 Menschen.

Janet Dumann von der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Berlin sagte der Berliner Morgenpost: "Mit solch drastischen Zahlen haben wir nicht gerechnet." Noch seien die Auswirkungen für die fast 200 Berliner Filialen jedoch nicht bekannt. Spätestens Ende März soll dann bekannt werden, wie viele Läden in Berlin geschlossen werden - und wie viele der rund 1000 Mitarbeiter gehen müssen.

Die Kinder von Firmengründer Anton Schlecker, Lars und Meike, hatten das Unternehmen aus Ehingen bei Ulm eigentlich aus eigener Kraft aus der Insolvenz führen wollen. Geiwitz schränkte nun ein: Er strebe eine Lösung an, "bei der die Familie eine Rolle spielt", sagte er auf einer Pressekonferenz. Selbst Teile der Familie seien vom Ausmaß der Krise überrascht worden. Doch sie habe kaum finanzielle Mittel, um die Rettung zu stemmen. Für Anton Schlecker bedeutet die Pleite des Unternehmens, das er im Stile eines Alleinherrschers geführt hatte, zugleich die Privatinsolvenz. "Wir stellen das Unternehmen so auf, dass wir mit einer Stand-alone-Lösung klarkommen", sagte Geiwitz. Im Notfall könnte die Familie durch einen Verkauf der gesunden Töchter im Ausland Geld für die Sanierung lockermachen.

Die verbliebenen Filialen will Geiwitz als Nahversorger in Städten oder Vorstädten aufstellen. Ein Dorfladenkonzept, auf das einige Experten und Arbeitnehmervertreter gesetzt hatten, trage allein nicht. Die zuletzt eröffneten größeren "XL"-Märkte dürften damit keine großen Chancen mehr haben. "Der Schlecker-Markt wird ein Drogeriemarkt bleiben", betonte der seit einem Jahr amtierende Geschäftsführer Thorsten Rusch. Das Sortiment solle aber entsprechend den Kundenbedürfnissen ausgedünnt und teilweise ergänzt werden, die Preise müssten sinken, sagte Geiwitz. "Wir brauchen einen kompromisslosen Kulturwandel", betonte er. An der Marke Schlecker will er festhalten: Es sei leichter, das Negativimage zu verbessern, als eine neue Marke zu etablieren, die so bekannt sei.

Insolvenzverwalter Geiwitz ging mit Anton Schlecker hart ins Gericht. Er habe seit Jahren unternehmerische Fehler gemacht - das habe Schlecker auch eingeräumt. "Schlecker hat zu lange auf Stärke durch Größe gesetzt." In der Spitze hatte die Kette mehr als 10 000 Läden, weit mehr als 1000 wurden im vergangenen Jahr schon geschlossen. Es sei zu lange versäumt worden, das Konzept und die Läden zu modernisieren, bilanzierte Geiwitz. Schlecker schreibe seit 2006 Verluste, allein 2011 seien es 200 Millionen Euro gewesen, in den Jahren davor jeweils mittlere zweistellige Millionenbeträge. Der Umsatz sei zuletzt unter vier Milliarden Euro eingebrochen. "Viele Probleme sind zu spät angegangen worden." Schlecker-Finanzchef Sami Sagur räumte ein: "Wir fühlen uns sehr schlecht. Es ist ein Super-GAU."