Fund

Tschüss, Schätzchen

Schatzinsel, Schatztruhe, Schatzhöhle - wird nun alles seinen Reiz verlieren? Wird überhaupt noch jemand einen Spaten in die Hand nehmen oder in die Tiefen der See tauchen, um Dukaten, Dublonen oder Dollar aufzuspüren?

Vertreter der US-amerikanischen Bergungsfirma Odyssey Marine Exploration sind jedenfalls ins Grübeln gekommen, nachdem das oberste Gericht der USA entschieden hat, dass das Unternehmen die 17 Tonnen Gold- und Silbermünzen, die seine Taucher 2007 vor der portugiesischen Küste geortet und gehoben hatten, an Spanien ausliefern muss. Nicht mal die Lagerkosten dürfe man sich erstatten lassen. Der Wert des Schatzes, der mit der spanischen Fregatte "Nuestra Señora de las Mercedes" 1804 auf den Meeresboden sank, wird auf eine halbe Milliarde Dollar (etwa 380 Millionen Euro) geschätzt. Die Vizepräsidentin von Odyssey, Melinda MacConnel, befürchtet auch, dass diejenigen Schatzsucher, die trotz allem jetzt weitersuchen, ihre Funde künftig für sich behalten werden: "Es wird niemand mehr Anreize haben, Unterwasserfunde anzugeben. Jeder Fund, auf den Spanien Anspruch erheben könnte, wird versteckt werden oder, schlimmer noch, eingeschmolzen oder bei Ebay verkauft." Zusammenschmelzen könnte möglicherweise jetzt erst einmal der Aktienkurs des börsennotierten Unternehmens.

Die spanische Regierung streitet seit Jahren mit Odyssey vor Gericht. Dabei ging es darum, ob es sich um ein Kriegsschiff gehandelt habe, das nach internationalem Recht samt Inhalt dem jeweiligen Staat gehört, oder um ein Handelsschiff, bei dem die Bergungsfirma Anspruch auf Teile der Fracht hätte. Das Gericht sah es als Kriegsschiff. Es gehörte damals zu einer Flotte, die während der napoleonischen Kriege von britischen Schiffen angegriffen wurde, und explodierte. Drei andere Schatzschiffe wurden gekapert und in britische Häfen überführt.