Bayerische Höflichkeit

"Grüß Gott" statt "Hallo"

"Hallo" als Begrüßung hat Tradition - spätestens seit Thomas Edison den Fernsprecher erfunden hat. Seitdem ist es allgegenwärtig. Doch der Passauer Rektorin Petra Seibert geht das Wort gegen den Strich - ebenso wie das norddeutsche "Tschüss" - das übrigens aus dem Romanischen "Adieu" oder "Adios" abgeleitet ist und schon seit dem 17. Jahrhundert gebräuchlich ist.

Aber Frau Rektorin legt Wert auf gutes Benehmen, schließlich sollen sich die Schüler bei der Jobsuche nicht blamieren. Deshalb hat sie ihre Schule zur "Hallo- und Tschüss-freien Zone" erklärt. "Wir bemühen uns, ohne diese beiden Grußformeln in unserem Haus auszukommen", verkündet ein Aushang in der Mittelschule St. Nikola. Dabei hat Seibert nichts gegen Tradition - solange sie bayerisch oder bairisch ist. "Über ein ,Grüß Gott' und ein freundliches ,Auf Wiedersehen' freuen wir uns jedoch jederzeit", heißt es weiter.

Bei einem sprachlichen Ausrutscher wiesen die Lehrer den Schüler höflich zurecht, erläutert die Rektorin. Sie wolle die jungen Menschen optimal auf den Beruf vorbereiten, sonst habe sie ihren Erziehungsauftrag nicht erfüllt. Und ein flapsiges "Hallo" hörten bayerische Personalchefs nun einmal nicht gern. Seibert sieht sich nicht als Verfechterin des bayerischen Dialekts. "Aber in Bayern heißt es nun mal ,Grüß Gott'." Wem das nicht leicht über die Lippen gehe, könne auch freundlich "Guten Morgen" oder "Guten Tag" sagen. Auf Gegenliebe stößt das Vorhaben nicht - und wird deshalb wohl nicht Schule machen. Modern gesagt: "Und tschüss!"