Statistik

Weniger Gewalt an Berliner Schulen

Pöbeleien, Schlägereien, Erpressung oder auch Sachbeschädigungen sind an vielen Berliner Schulen immer noch an der Tagesordnung. Doch im vergangenen Jahr haben sie weiter abgenommen. Insgesamt 1468 Gewaltvorfälle haben die Schulen der Hauptstadt im Schuljahr 210/2011 gemeldet.

Die Zahl der Meldungen ist damit im Vergleich zum Vorjahr erneut zurückgegangen. Im Schuljahr 2009/2010 waren es noch 1576 und damit rund sieben Prozent mehr.

"Die Schulen haben vielerorts bewiesen, dass sie auf dem Feld der Gewaltprävention erfolgreich aktiv sind", so Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Maßnahmen wie die Einrichtung von Krisenteams oder die enge Zusammenarbeit mit den Präventionsbeauftragten der Polizei hätten an den Schulen zu einem besseren Schulklima beigetragen, so die Bildungssenatorin weiter. Je nach Schulart gebe es aber nach wie vor erhebliche Unterschiede.

Insgesamt hätten 38 Prozent aller Schulen Gewaltvorfälle gemeldet. Die meisten Anzeigen kamen dabei mit durchschnittlich 3,3 Meldungen je Schule aus den integrierten Sekundarschulen. Es folgten die Sonderschulen mit durchschnittlich 2,6 Meldungen. Aus den berufsbildenden Schulen wurden dagegen nur durchschnittlich 0,3 Meldungen je Einrichtung angezeigt. Lediglich vier Prozent aller Gewaltmeldungen kamen von Gymnasien, die zehn Prozent der Berliner Schulen ausmachen.

Auch der Blick auf die regionale Verteilung der Vorfälle zeigt erhebliche Unterschiede. So kamen - wie bereits im Vorjahr - im vergangenen Schuljahr die meisten Meldungen aus Mitte (17 Prozent) und Neukölln (13 Prozent). Jede zehnte diesbezügliche Meldung kam aus Schulen in Steglitz-Zehlendorf und Friedrichshain-Kreuzberg. Die wenigsten Meldungen kamen aus Schulen in den Bezirken Tempelhof-Schöneberg, Charlottenburg-Wilmersdorf (je fünf Prozent) und Pankow (vier Prozent). "Die Zahlen sind jedoch mit Vorsicht zu betrachten", so Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungssenatorin. Beispielhaft sei dafür sei der offensive Umgang der Schulen in Zehlendorf mit dem sogenannten Cyber Mobbing auf Internetseiten wie iShareGossip (auf Deutsch: Ich teile Tratsch) gewesen, die berlinweit für Aufregung gesorgt hatten. Zu Beginn des zweiten Schulhalbjahres sei die Nutzung des Internets für Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede bis hin zu Amokdrohungen kurzzeitig zu einem Massenphänomen an Berliner Schulen geworden, das den Schulalltag für einen begrenzten Zeitraum erheblich störte. So wie die Internetnutzung eine Eigendynamik entfaltete, hätten sich an vielen Schulen Gegenbewegungen entwickelt. Eltern wurden informiert und aufgeklärt; Schüler setzten sich mit der Thematik im Unterricht auseinander und organisierten Gegenaktionen. "In Zehlendorf wurde die Debatte losgetreten, danach gab es aber in nahezu allen Schulen Medienkompetenz-Angebote für Lehrer und Schüler", so die Sprecherin. Diese Schulen hätten jedoch nicht mehr unbedingt entsprechende Fälle gemeldet, da das Thema ja bereits in den Unterricht eingeflossen sei.

Mit 77 Prozent am häufigsten gemeldet wurden nach Angaben der Senatsbildungsverwaltung im vergangenen Schuljahr Vorfälle wie schwere körperliche Gewalt, Beleidigungen, Drohungen und Tätlichkeiten. In der Statistik der Gewaltvorfälle sind auch sogenannte "Notfälle" erfasst. Dazu gehören der Umgang mit Suchtmitteln, Suizidandrohungen von Schülern oder auch das bereits angesprochene Mobbing. Am häufigsten betroffen waren besonders die jungen Schüler: Sowohl als Opfer (50 Prozent) als auch als Täter (82 Prozent) dominierten die Acht- bis Dreizehnjährigen. In 20 Prozent der Fälle wurden Schulangestellte angegriffen. Meldegründe bei Vorfällen gegen Lehrer, Erzieher, Schulpersonal waren in der Hälfte der Fälle Beleidigungen Drohungen, Tätlichkeiten, in rund 24 Prozent der Fälle schwere körperliche Gewalt und in rund zehn Prozent der Meldungen Bedrohungen.

Auch in der Prävention gegen Amokläufer seien Fortschritte erzielt worden, so Scheeres weiter. Bis Ende des Jahres 2011 seien etwa 85 Prozent der Schulen mit Amokalarmierungsanlagen ausgestattet gewesen. Zum Schuljahresende gab es zudem 235 Krisenteams an Berliner Schulen.