Gütesiegel

"Made in Germany" in Gefahr

Einst war es als Warnung gedacht, heute ist es eine Kaufsempfehlung: Mit "Made in Germany" wollten die Briten im 19. Jahrhundert noch auf vermeintlich minderwertige Waren aus Deutschland hinweisen. Doch schnell entwickelte sich die Kenzeichnung zum Qualitätssiegel. Das ist jetzt aber in Gefahr.

Geht es nach EU-Kommissar Algirdas Semeta, sollen Produkte nur noch dann den Hinweis "Made in Germany" tragen dürfen, wenn mindestens 45 Prozent des Wertanteils aus Deutschland stammen. Bisher gilt laut EU-Regeln das Land als Herkunftsland, in dem "die letzte wesentliche, wirtschaftlich gerechtfertigte Be- und Verarbeitung" vorgenommen wurde. Folge: Heute können Produkte mit dem Label "Made in Germany" gekennzeichnet werden, wenn sie zu mehr als 90 Prozent im Ausland gefertigt, aber zuletzt in Deutschland bearbeitet wurden. Die Brüsseler Pläne würden beispielsweise den Autobau und Elektrotechnik treffen.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) ist alarmiert. "Mit der geplanten Änderung gerät das Label in Gefahr. Denn wenn künftig Herkunft und Wert der Vormaterialien entscheidend sind, werden viele Produkte nicht mehr als deutsch gelten", warnt DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann in der Morgenpost. Eine Entscheidung über die Änderungen beim Warenursprungsrecht ist noch nicht gefallen.

Anlass für Semetas Pläne war übrigens ein ganz anderer Streit. Gegen nordkoreanische Waren verhängt Brüssel derzeit Zölle auf Stahlseile. Dagegen hatte ein deutscher Konzern vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) geklagt. Sein Argument: Die Seile bestünden aus chinesischen Teilen und seien lediglich in Nordkorea zusammengesetzt worden. Der Konzern bekam recht. Der EuGH entschied, dass die EU keine Zölle auf Stahlseile aus Nordkorea erheben darf, nur weil dort die letzte Bearbeitung stattfand.