Raumstation ISS

Schrottalarm im Weltraum

Erhöhtes Verkehrsaufkommen ist schon länger kein exklusives Berliner Problem. Aber dass man sich nicht mal in den angeblich unendlichen Weiten des Weltraums ungehindert bewegen kann, ist dann doch ein moderneres Phänomen. Und schuld ist mal wieder der Mensch selbst. Denn bei den unliebsamen anderen Verkehrsteilnehmern handelt es sich schlicht um Weltraumschrott.

Jüngster Vorfall: Am Freitagmorgen musste die Internationale Raumstation (ISS) dem Wrackteil eines privaten Telekommunikationssatelliten ausweichen. Die Kontrollstation wies die Astronauten an, die Triebwerke kurzzeitig einzuschalten, um die ISS aus der Flugbahn des Trümmerstücks von der Größe eines Tennisballs zu manövrieren. Wegen seiner hohen Geschwindigkeit hätte das Wrackteil die Raumstation bei einer Kollision erheblich beschädigen können. Seit 1998 musste die ISS in bereits 13 Fällen Weltraumschrott ausweichen. Im Juni vergangenen Jahres suchte die Besatzung wegen vorbeifliegender Wrackteile in der Sojus-Kapsel der ISS Schutz.

Und damit nicht genug: Für Sonntag oder Montag erwartet die russische Raumfahrtbehörde nun auch noch den Aufschlag der außer Kontrolle geratenen Marsmondsonde "Phobos-Grunt".

Zum Glück gibt es Hoffnung. Für das Problem Weltraumschrott hat ein Stuttgarter Forscherteam jetzt ein spezielles Verfahren entwickelt, wie die "Stuttgarter Zeitung" berichtet. Mit gepulsten Laserstrahlen wollen die Wissenschaftler zunächst die etwa 700 000 Schrottteile im All von einem Zentimeter Größe aufwärts systematisch erfassen. In einem zweiten Schritt sieht das Konzept vor, die Schrottteile mit gepulsten Laserstrahlen von der Erde aus so weit abzubremsen, dass sie innerhalb eines Zeitraumes von wenigen Jahren an Höhe verlieren und verglühen.

Das System kostet ungefähr so viel wie ein Satellit. Wenn es also gelänge, mehr als einen vor dem Totalschaden zu bewahren, hätte sich das Ganze schon gerechnet.

( BM )