ADAC

30000 Staus in Berlin - mehr als in Bayern

Dichter Verkehr, Baustellen, marode Brücken und Straßenschäden verursachen deutlich mehr Staus auf den Autobahnen. "Die Staulänge in Deutschland summiert sich in diesem Jahr auf mehr als 450 000 Kilometer Länge. Das sind mindestens 50 000 Kilometer mehr als im Vorjahr", sagte ADAC-Präsident Peter Meyer der Berliner Morgenpost. Gerade in Berlin stehen die Autofahrer immer häufiger im Stau. Und im kommenden Jahr wird es nicht besser: Zahlreiche Baustellen sorgen für Verkehrsbehinderungen.

Der Automobilclub hat die Zahl jetzt aus den Verkehrsmeldungen der Polizei, seiner Straßenwacht und von Staumeldern ermittelt. Im vorigen Jahr registrierte der ADAC 186 000 Staus, das waren 45 000 mehr als 2009. Für dieses Jahr liegt die Zahl bei rund 189 000. Stauland Nummer eins ist erneut das bevölkerungsreichste Bundesland Nordrhein-Westfalen mit 60 000 Staus, gefolgt von der Hauptstadt Berlin (30 000), Bayern (26 000) und Baden-Württemberg (18 000). Bislang fehlten die nötigen Milliarden, um Straßen auszubauen und Staus zu verhindern, sagte Meyer.

Der ADAC-Chef fordert von der Bundesregierung, dass sie den Blick beim Ausbau und Unterhalt der Straßen wieder stärker nach Westen richtet. "Die Politik hat sich in der Vergangenheit vor allem auf den Aufbau Ost konzentriert. Jetzt müssen wir prüfen, welche Autobahnen im Westen dringend ausgebaut werden müssen", sagte Meyer. Als Beispiele nannte er den Kölner Ring und die Autobahnstrecken vom Ruhrgebiet nach Frankfurt am Main und Hannover. Zwar zahlen die Autofahrer jedes Jahr allein rund 36 Milliarden Euro Mineralölsteuer, aber diese Einnahmen werden für andere Zwecke als für den Straßenbau verwendet. Das ärgert Meyer gewaltig: "Zur Mineralölsteuer kommen ja noch Kraftfahrzeug- und Mehrwertsteuer sowie die Lkw-Maut - das sind zusammen 53 Milliarden Euro, die die Autofahrer zahlen. In diesem Jahr bekommen wir für den Bundesfernstraßenbau gerade einmal rund sechs Milliarden Euro heraus." Für das kommende Jahr erhält Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) eine Milliarde Euro zusätzlich aus dem Bundeshaushalt für Verkehrsprojekte. "Wir müssen nach Bedarf und nicht nach Himmelsrichtung investieren", sagte Ramsauer der Berliner Morgenpost. In welche Projekte das Geld fließen wird, ist noch nicht bekannt. Schwerpunkt wird die Straße sein, aber auch die Bahn und Wasserstraßen sollen von den Millionen profitieren.

"Minister Ramsauer sollte die zusätzlich bewilligte Milliarde in seinem Haushalt vor allem auch zur Sanierung der Autobahnbrücken verwenden", forderte Meyer. Momentan sind insgesamt rund 300 Brücken an Autobahnen und Bundesstraßen baufällig.

Von einer Pkw-Maut zur Instandsetzung von maroden Straßen hält der ADAC-Chef weiter nichts. Dann würden die Autofahrer auf Landstraßen ausweichen, wo statistisch gesehen die meisten Unfälle geschähen. "Wird 20 Prozent des Verkehrs verlagert, drohen im Jahr mindestens 350 Tote mehr und zusätzlich rund 13 000 mehr Verletzte", sagte Meyer weiter.

In Berlin wird immerhin im kommenden Jahr viel für die Sanierung des maroden Straßennetzes getan. Allerdings müssen sich Autofahrer deshalb auch auf Staus einstellen, besonders in Mitte, wo große Verkehrsachsen wie die Friedrichstraße, Invalidenstraße und Unter den Linden ganz oder teilweise gesperrt werden. Gleiches gilt für die City West (Kantstraße) und die Autobahnen, wo Tunnel- und Fahrbahnsanierungen anstehen, wie auf der Avus oder am Rathenautunnel. Die Berliner Morgenpost hat die 20 größten Baustellen des kommenden Jahres in einer Übersicht erfasst.