Sicherheitslage

Berliner Polizei kann Einbrecher nicht stoppen

Die Zahl der Einbrüche ist in Berlin stark angestiegen. Wie die amtierende Polizeipräsidentin Margarete Koppers sagte, wurde in diesem Jahr bislang rund 9730 Mal in Berliner Wohnungen eingebrochen. Das seien laut Koppers knapp 24 Prozent mehr als noch 2010. Daneben drangen Einbrecher in 1640 Villen ein - 27 Prozent mehr als im Vorjahr.

Damit setzte sich zum Jahresende der Trend des gesamten Jahres 2011 fort. Aufgrund der steigenden Einbruchs- und Diebstahlzahlen hat auch erstmals seit Jahren die Kriminalität in der Hauptstadt insgesamt wieder zugenommen. "Wir haben einen Aufwärtstrend, der zum Teil besorgniserregend ist", so Koppers. Innensenator Frank Henkel (CDU) kritisierte den Personalabbau der vergangenen Jahre.

Die vorläufige Bilanz für dieses Jahr (Januar bis November) verzeichnet insgesamt knapp 454 700 Straftaten - das sind rund 18 500 Fälle mehr als im Vorjahr. Damit stieg die Zahl krimineller Delikte um 4,3 Prozent. Die Aufklärungsquote sank leicht und liegt jetzt bei 46 Prozent (minus 2,2 Prozentpunkte). Wie 2010 starben bislang 38 Menschen durch vorsätzliche Tötungsdelikte, die Zahl der versuchten Taten stieg leicht an (plus sechs Fälle).

Koppers forderte die Berliner auf, sich besser zu schützen: "Die Diebe bevorzugen Altbauwohnungen im Zentrum der Stadt - auch weil dort ein erschreckend hoher Anteil gar nicht gesichert ist. Manche Wohnungen sind nicht einmal abgeschlossen. Da haben Diebe leichtes Spiel." Neben den Altbauwohnungen haben es die häufig organisierten Banden besonders auf Villen abgesehen. Die Polizei kann die Einbrecher nicht stoppen: Nur knapp jeder vierte Einbruch könne derzeit aufgeklärt werden, so Koppers.

Innensenator Henkel sagte der Berliner Morgenpost: "Das sind vorläufige Zahlen, aber sie bestätigen unsere bisherige kritische Sichtweise. Die Sicherheitslage hat sich eben nicht nur subjektiv verschlechtert. Das lässt sich auch objektiv an Zahlen festmachen. Die Auswirkungen des Personalabbaus der vergangenen Jahre lassen sich nicht dauerhaft verschleiern." Es werde ein Schwerpunkt der neuen Regierung sein, hier gegenzusteuern und Berlin sicherer zu machen. "Wir werden uns vor allem darauf konzentrieren, die Polizei personell zu stärken und die Präsenz in der Fläche zu verbessern. Mehr Personal hilft unseren Sicherheitskräften, wieder stärker präventiv und strafverfolgend tätig zu werden", so Henkel. Die rot-schwarze Koalition will in den nächsten fünf Jahren insgesamt 250 zusätzliche Polizisten einstellen.

Auch die Gewerkschaft der Polizei (GdP) machte die geringe Polizeipräsenz für die steigenden Einbruchzahlen verantwortlich. Klaus Eisenreich, Landesgeschäftsführer der GdP, sagte: "Das Risiko, entdeckt zu werden, ist wegen der Personaleinsparungen der vergangenen Jahre gesunken." Das gelte besonders für die steigenden Fälle von Einbrüchen in Wohnungen und Häuser.

Die Polizei vermutet, dass ein Teil der Täter aus Osteuropa kommt. "Es zeichnet sich ab, dass da organisierte Tätergruppen zugange sind. Das sind Profis", so Koppers. "Berlin ist besonders belastet - wegen der kurzen Wege nach Osteuropa, wo das Diebesgut - zum Teil auf Bestellung - veräußert wird."

Koppers empfiehlt den Berlinern, sich an den Beratungsladen der Polizei am Platz der Luftbrücke zu wenden und Einbruchsicherungen an ihren Türen und Fenstern einzubauen. Solche Sicherungen könnten viele Täter abschrecken. Das zeige auch die Zahl der gescheiterten Einbrüche, die bei rund 38 Prozent liege.

"Die Sicherheitslage hat sich eben nicht nur subjektiv verschlechtert. Das lässt sich objektiv an Zahlen festmachen"

Frank Henkel, Innensenator