Kredit-Affäre

Kardinal legt Wulff indirekt Rücktritt nahe

Eigentlich sollte es ein besinnlicher Termin für den Bundespräsidenten werden. Am Mittwoch wurde die diesjährige Weihnachtsansprache von Christian Wulff aufgezeichnet, die am Sonntag ausgestrahlt werden soll.

Das Thema: der Zusammenhalt in der Gesellschaft und in Europa. Doch immer neue Vorwürfe überschatten die Weihnachtsstimmung.

Am Dienstagabend hatten Wulffs Anwälte der Morgenpost bestätigt, dass der Unternehmer Egon Geerkens an Gesprächen über die "Modalitäten" des Privatkredits beteiligt war, den seine Frau Edith dem damaligen Ministerpräsidenten von Niedersachsen im Oktober 2008 gewährt hatte. Egon Geerkens sei zudem "aufgrund seines besonderen Sachverstands und der freundschaftlichen Beziehungen eingebunden" gewesen in die Suche des Ehepaars Wulff nach einem Haus.

Unterdessen hat sich auch die katholische Kirche in die Diskussion eingeschaltet. Der Kölner Kardinal Joachim Meisner empfahl Wulff im WDR-Fernsehen, "jetzt in der Situation" keine Weihnachtsansprache zu halten. Wenn er selbst in einer vergleichbaren Lage wäre, müsste er seinen Hirtenstab abgeben. In diesem Falle müsste er sein Versagen eingestehen und sagen: "Ich bin ein armer Sünder." Zugleich betonte der Erzbischof, dass er nicht beurteilen könne, ob die Vorhaltungen gegenüber Wulff zutreffen. Der Bundespräsident jedenfalls hielt trotzdem seine Weihnachtsansprache. Teilnehmer berichteten, er sei auf die Vorwürfe nicht eingegangen.

Die SPD warf Wulff eine Salamitaktik vor: "Er gibt immer nur das zu, was man ihm nachweisen kann", sagte SPD-Innenexperte Sebastian Edathy im Deutschlandfunk. Bei der Staatsanwaltschaft Hannover gingen zahlreiche Strafanzeigen von Bürgern gegen Wulff ein. Behördensprecher Hans-Jürgen Lendeckel bestätigte am Nachmittag den Eingang von bis dahin neun Anzeigen. Diese würden nun "auf ihren tatsächlichen und rechtlichen Gehalt geprüft". Ein förmliches Ermittlungsverfahren gebe es nicht.