Fluggesellschaft

Araber retten Air Berlin

Die arabische Fluggesellschaft Etihad hilft Air Berlin aus den roten Zahlen. Die Airline stockt ihre Beteiligung an Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft für 73 Millionen Euro auf 29 Prozent auf. Hinzu kommt ein Darlehen in Höhe von knapp 200 Millionen Euro. Die dringend benötigte Geldspritze verschafft Konzernchef Hartmut Mehdorn mehr Zeit für die Sanierung.

Etihad wiederum bekommt einen Brückenkopf in Europa. "Die strategische Partnerschaft mit Etihad Airways eröffnet einzigartige Möglichkeiten für die Zukunft unseres Unternehmens", sagte Mehdorn und nannte den Deal einen "Leuchtturm in der Luftfahrt-Geschichte". Etihad-Chef James Hogan fügte hinzu: "Die Gelegenheit war sicherlich einzigartig."

Mit dem Einstieg der Araber gibt es auch Änderungen bei den Flügen. Als Erstes werde Air Berlin ab Januar von Berlin aus das Golfemirat Abu Dhabi anfliegen, aus dem Etihad kommt, so Mehdorn. Von dort hätten die Reisenden viele Möglichkeiten, nach Asien oder Australien zu reisen. Zudem sei geplant, die Vielflieger-Programme zu koordinieren und gemeinsam Flüge anzubieten. Das neue Streckennetz umfasse 239 Städte in 77 Ländern.

Die Kooperation reduziert Air Berlin auf das Kerngeschäft, das im Prinzip aus Kurz- und Mittelstreckenflügen in Europa und in die arabischen und nordafrikanischen Urlaubsziele besteht. Dagegen ist Etihad ein klassischer Langstreckenflieger mit Zielen in Asien, Australien oder Nordamerika. Den stark wachsenden arabischen Fernfliegern fehlt aber an ihren Heimatflughäfen das Publikum. Deshalb steigen Air-Berlin-Passagiere Richtung Ferner Osten, Indien und Australien ab 15. Januar in Abu Dhabi in einen Etihad-Jet um. In Nord- und Südamerika wollen beide Fluggesellschaften vorerst weiter landen, was aber wahrscheinlich nicht so bleiben wird. Etihad dagegen verzichtet darauf, den neuen Berliner Großflughafen BER mit seinen Jets anzufliegen, behält aber Frankfurt, München und Düsseldorf im Ziele-Portfolio.

Zudem wolle Air Berlin bis zum Frühjahr Mitglied der Luftfahrt-Allianz Oneworld um British Airways werden, so Mehdorn. Er nannte die Einspareffekte durch die Kooperation "ein Geschenk des Himmels". So kann sich Air Berlin nun eine eigene Service-Abteilung für die Wartung der Boeing 787 "Dreamliner" sparen, von denen 15 Stück bestellt wurden.

Insgesamt erhofft sich Air Berlin durch die Zusammenarbeit im kommenden Jahr Einsparungen von 35 bis 40 Millionen Euro. Seit Jahren steckte die Berliner Fluglinie in den roten Zahlen. Selbst als der europäische Marktführer Lufthansa und Billigfluggesellschaften wie Ryanair Gewinne schrieben, kam Air Berlin nicht in die Gewinnzone. Zuletzt wurde das Unternehmen von einer Schuldenlast von fast 650 Millionen Euro erdrückt. Das ist rund dreimal so viel, wie Air Berlin an der Börse wert ist. Nach der Verkündung der Kooperation stieg die Air-Berlin-Aktie stark.

Erst vor zwei Wochen hatte Etihad Berichte über einen Einstieg bei Air Berlin zurückgewiesen. Die Finanzaufsicht BaFin schaut sich das Geschäft nach Aussagen einer Sprecherin nun an. Für eine formelle Prüfung sei es zu früh.

Wenig Freude an dem Deal dürften Air Berlins europäische Konkurrenten haben: Schnell wachsende Gesellschaften aus dem Nahen Osten wie Emirates, Qatar Airways oder eben Etihad jagen etwa der Lufthansa, Air France und British Airways Kunden ab. Die Golf-Fluglinien haben einige Vorteile: An den Riesen-Flughäfen von Dubai, Abu Dhabi oder Doha gibt es kein Nachtflugverbot, und die Flugzeuge werden meist von Arbeitern aus Asien gewartet, die wesentlich weniger verdienen. Das hält die Kosten niedrig. Vorteilhaft ist auch die geografische Lage: Der Persische Golf liegt am Schnittpunkt von drei Kontinenten (Europa, Asien und Afrika); viele aufstrebende Volkswirtschaften in Asien oder Afrika liegen nur wenige Flugstunden entfernt.