Frisches Geld

Zentralbanken fluten die Märkte mit Milliarden

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Jan Dams

Im Kampf gegen die Folgen der europäischen Schuldenkrise greifen die wichtigsten Notenbanken der Welt jetzt zu schwereren Waffen. In einer konzertierten Aktion stellen sie den Finanzmärkten - und damit in allererster Linie den Banken - mehr Geld zur Verfügung.

Die gemeinsame Maßnahme von Europäischer Zentralbank (EZB), amerikanischer Fed sowie Briten, Japanern und Schweizern erinnert an die schlimmsten Tage der Finanzkrise im Jahr 2008. Damals sahen sich die Zentralbanken mehrfach genötigt, das Finanzsystem mit ähnlichen Hilfen vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Konkret vereinbarten die Währungshüter, die Versorgung europäischer Großbanken mit Dollar deutlich zu verbessern. Ab 5. Dezember sollen bestimmte Zinssätze zum Geldverleihen untereinander um ein halbes Prozent verbilligt werden. "Sinn dieser Maßnahmen ist es, die Spannungen an den Märkten abzubauen und damit die Folgen dieser Spannungen für Haushalte und Unternehmen zu reduzieren", teilten die Zentralbanken mit.

In den vergangenen Monaten war es für die Geldhäuser der Euro-Zone mit Liquiditätsbedarf in Dollar immer schwieriger geworden, diesen ausreichend zu decken. Der Grund: Die wichtigen US-Geldmarktfonds entzogen den Europäern angesichts der anhaltenden Schuldenkrise in der Euro-Zone das Vertrauen und borgten ihnen deshalb kein Geld mehr. Die Amerikaner fürchten, dass europäische Banken, die einen großen Teil der Staatsanleihen der Euro-Zone halten, bei der Pleite eines oder mehrerer Länder der Währungsunion selber ins Schlingern geraten. Ohne ausreichende Versorgung mit Geld aber kommen die Geldhäuser erst recht in die Bredouille. Es drohen daher sogar Bankeninsolvenzen, die wieder das gesamte Finanzsystem ruinieren könnten.

Die Märkte reagierten auf die Ankündigung der Maßnahmen mit Kurssprüngen. Der deutsche Leitindex Dax übersprang die Marke von 6000 Punkten. Der Dow-Jones-Index notierte mit einem Plus von 4,2 Prozent bei 12 045 Punkten. Der Euro, seit Tagen unter Druck, legte deutlich zu. Positiv wirkte sich auch aus, dass zuvor die chinesische Zentralbank die Lockerung ihrer Politik angekündigt hatte, um die Konjunktur in China zu stützen.

Beobachter wiesen aber darauf hin, dass die Hilfen der Zentralbanken nicht die grundlegenden Probleme der Euro-Zone lösen könnten. "Der Markt mag Liquidität", sagte Giuseppe Amato vom Handelshaus Lang und Schwarz. Allerdings müsse man abwarten, ob sich die Lage am Interbankenmarkt wirklich entspanne. "Denn dies ist nur ein Herumlaborieren am Symptom, fundamental ändert sich nichts", sagte er.

Die Botschaft ist klar und wird von Vertretern der europäischen Notenbanken geteilt: Europas führende Politiker seien jetzt am Drücker. Die Zentralbanken könnten mit ihrer Aktion vielleicht die Schwierigkeiten am Finanzmarkt lindern, sagte ein einflussreicher europäischer Zentralbanker. Die Probleme lösen aber könnten sie nicht. Europas Politiker müssten, wenn sie den Euro retten wollten, mit den versprochenen Vertragsänderungen schnell Ernst machen, wenn die Währungsunion nicht am Vertrauensverlust der Anleger zerbrechen solle. Ganz gezielt verwiesen Zentralbanker in den vergangenen Tagen wiederholt auf den Europäischen Rat Ende kommender Woche. Von dort erwarten sie sich weitreichende Lösungsansätze der Politik.