Altersvorsorge

Pflege: Deutsche fürchten sich vor mangelnder Absicherung im Alter

Versicherte in Deutschland machen sich große Sorgen um ihre gesundheitliche Versorgung im Alter. So befürchten laut einer Umfrage gut drei Viertel (77 Prozent) der Deutschen, dass die Leistungen der gesetzlichen Pflegeversicherung im Ernstfall nicht ausreichen.

Und sogar vier von fünf Ärzten sind der Meinung, dass Patienten im Pflegefall nicht ausreichend abgesichert sind. Der Großteil der Mediziner ist zudem überzeugt, dass es schon jetzt einen bundesweiten Ärztemangel gibt. In Berlin beobachten vor allem Ärzte in Randlagen der Stadt einen Ansturm auf ihre Wartezimmer.

Wie der Gesundheitsreport des Allensbacher Instituts für Demoskopie im Auftrag des Finanzdienstleisters MLP weiter ergibt, macht sich jeder zweite Deutsche Sorgen um die finanzielle Absicherung, wenn er in Zukunft zu einem Pflegefall werden sollte. Zudem rechnet die Mehrheit der Deutschen in den nächsten zehn Jahren mit steigenden Kosten für die gesundheitliche Vorsorge. So erwarten etwa 79 Prozent der deutschlandweit 2262 befragten Versicherten unter anderem Beitragssteigerungen bei den gesetzlichen Krankenkassen. 73 Prozent rechnen mit weiteren Reformen im Gesundheitswesen. Zudem fürchten 79 Prozent der Bürger, dass es immer mehr zu einer Zwei-Klassen-Medizin kommen wird. 61 Prozent rechnen aufgrund des demografischen Wandels mit volleren Arztpraxen und Problemen, einen Termin zu erhalten.

Tatsächlich mussten bereits jetzt rund 60 Prozent der Ärzte nach eigenen Angaben schon einmal eine Behandlung aus Budgetgründen auf einen späteren Zeitpunkt verlegen - bei 16 Prozent ist dies sogar häufig der Fall.

So sehen auch die 522 befragten Mediziner die Lage des deutschen Gesundheitswesens kritisch. Neben der fehlenden Absicherung gehen zwei Drittel der Mediziner (65 Prozent) davon aus, dass es in Deutschland bereits jetzt einen Ärztemangel gibt. Nur 23 Prozent der Ärzte sagen, dass es erst in den nächsten Jahren dazu kommen wird. In Ostdeutschland wird die Lage dabei erheblich kritischer eingeschätzt. Insgesamt vertreten 70 Prozent der Mediziner die Meinung, dass der Gesetzgeber den Ärztemangel und seine Auswirkungen unterschätzt.

Trotz ihrer Sorgen sind die Deutschen mit der Qualität der gesundheitlichen Versorgung im Großen und Ganzen zufrieden. 72 Prozent der Bürger bewerteten sie als "gut" oder "sehr gut". Lediglich 26 Prozent halten sie für "weniger gut" oder "gar nicht gut". Vor zwei Jahren urteilten nur 64 Prozent der Bevölkerung so positiv über die Versorgungslage.

Erhebliche Unterschiede gibt es allerdings unter den Bundesländern: Während in Thüringen lediglich 52 Prozent der Gesundheitsversorgung ein positives Zeugnis ausstellen, sind dies in Berlin 81 Prozent, deutschlandweit der höchste Wert neben Sachsen. Die Ballungsräume schneiden bundesweit hier besser ab als strukturschwache und dünn besiedelte Regionen. Eine Ausnahme bildet Brandenburg, dort sind 79 Prozent der Einwohner zufrieden mit der gesundheitlichen Versorgung. Grund könnte die Nähe zu Berlin sein, dessen medizinische Dienstleistungen auch Patienten aus dem Umland anziehen.

Das betrifft vor allem Ärzte in den Randbezirken Berlins. Dort gibt es einen höheren Andrang und längere Wartezeiten. Auch hier allerdings kommt der Report zu dem Ergebnis, dass die Berliner mit dem Angebot überwiegend zufrieden sind. Fast 70 Prozent der 104 befragten Berliner klagen nicht über Schwierigkeiten bei der Terminabsprache oder lange Wartezeiten. 31 Prozent dagegen gaben an, schon mal länger auf einen Termin gewartet oder trotz Termin lange im Wartezimmer gesessen zu haben.