EU

Staatsanleihen: Euro-Krise erreicht Deutschland

Das wachsende Misstrauen der Investoren wird jetzt auch zum Problem für Deutschland. Deutliches Zeichen: Die Bundesrepublik konnte bei einer Auktion von Bundesanleihen am Mittwoch lediglich zwei Drittel der zehnjährigen Anleihe mit einem Gesamtvolumen von sechs Milliarden Euro absetzen - so wenig wie nie zuvor.

Die Anleger waren bei einem Zinssatz von 1,98 Prozent und damit erstmals weniger als zwei Prozent nicht bereit, mehr als knapp 3,9 Milliarden Euro an deutschen Bonds zu kaufen. Mitten in der Krise ist das ein schlechtes Signal.

Bis zum Abend konnte keiner diesen Flop so richtig erklären. Die für die Auktion zuständige Finanzagentur des Bundes versuchte, das Ganze herunterzuspielen. Es sei ja nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass der Bund nicht alle Anleihen abgesetzt bekomme, hieß es dort. "Wir sehen derzeit einen extrem nervösen Markt, Investoren sind stark verunsichert", so der Chef der Finanzagentur, Carl Heinz Daube. Der Bund versucht nun, diese Anleihen nach und nach zu verkaufen.

Am Markt sah die Einschätzung anders aus: "Das Ganze ist ein Desaster", sagte ein Anleihehändler. Große institutionelle Anleger sähen die Gefahr, dass Deutschland für die Euro-Rettung aufkommen müsse. Der Euro fiel am Mittwoch weiter. "Die Krise trifft nun das Herz Europas", sagte ein Händler in New York.