Extremismus

Polizei verhindert Anschlag

Nur äußerst knapp ist Berlin einem folgenschweren Anschlag auf den Bahnverkehr entgangen. Unmittelbar an der nördlichen Einfahrt zum Tunnel unter dem Berliner Hauptbahnhof hatten Linksextremisten in der Nacht zu Montag mehrere Brandsätze deponiert.

Sie konnten aber gegen Mittag gerade noch rechtzeitig entdeckt und unschädlich gemacht werden. Der Tunnel, der die Spree und den Tiergarten unterquert, ist eine der wichtigsten Verkehrsadern im Schienennetz der Hauptstadt, er wird täglich von Hunderten oft voll besetzten Zügen passiert.

Bereits in der Nacht hatten unbekannte Täter an der Bahnstrecke Berlin-Hamburg in einem Kabelschacht nahe der Ortschaft Finkenkrug (Havelland) an zwei Stellen Brände gelegt. Dabei wurden wichtige Signalkabel und Einrichtungen für die Zugsicherung zerstört. Die Deutsche Bahn musste daraufhin ab 3.30 Uhr den Zugverkehr zwischen Berlin-Spandau und Nauen komplett einstellen. Die ICE nach Hamburg konnten umgeleitet werden. Laut einem Bahn-Sprecher gab es keine Zugausfälle, aber Verspätungen von teilweise mehr als einer Stunde. Im Regionalverkehr mussten Zehntausende Berufspendler auf Busse umsteigen.

Zu den Anschlägen hat sich eine linksextreme Gruppe bekannt, die damit gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan protestieren will. Das Landeskriminalamt Brandenburg hält das Schreiben nach einer vorläufigen Bewertung für authentisch. Nach Informationen der Berliner Morgenpost gehen Ermittler der Bundespolizei davon aus, dass es sich bei beiden Anschlägen um dieselben Täter handelt.

Die nördliche Einfahrt zum Tunnel liegt nur gut 200 Meter vom Berliner Hauptbahnhof entfernt, der täglich von bis zu 300 000 Menschen passiert wird. Weil die Brandsätze rechtzeitig entdeckt wurden, musste der Bahnhof nicht gesperrt werden. Allerdings wurde während der Entschärfung der Zugverkehr im Tunnel von 11.42 bis 13.13 Uhr eingestellt. Die Züge mehrerer ICE- und Regionalexpresslinien wurden in dieser Zeit umgeleitet, Tausende Fahrgäste kamen dadurch nur mit großer Verspätung an ihr Reiseziel.

Laut Bahn hatte ein Mitarbeiter die Brandsätze bei zusätzlich veranlassten Streckenkontrollen entdeckt. Spezialisten trugen die Behälter mit brennbaren Flüssigkeiten anschließend in Tüten davon.

Die bislang noch nicht in Erscheinung getretene linksextreme Gruppe mit dem Namen "Hekla-Empfangskomitee" schreibt in ihrem Bekennerschreiben von "Sabotagehandlungen an mehreren Kabelschächten", die mit Brandbeschleunigern und elektronischen Zeitgebern die Hauptstadt in den "Pausenmodus" versetzen sollten. Die Gruppe will so vor allem gegen den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr protestieren.

Der Vorsitzende Berliner CDU, Frank Henkel, verurteilte die Anschläge scharf. "Das sind gezielte Anschläge auf unser Zusammenleben und unser Gemeinwohl. Diese Gewalt gegen Sachen, bei der Gefährdung von Menschen nicht ausgeschlossen ist, darf niemand verharmlosen", sagt er. Auch die Deutsche Bahn reagierte empört auf die Angriffe. "Unsere Kunden sollen nach den Bekennerschreiben für den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr herhalten. Das ist absolut verantwortungslos", sagte der Bahn-Sicherheitschef Gerd Neubeck. Er wies zugleich darauf hin, dass bei einem Streckennetz von 34 000 Kilometern eine flächendeckende Überwachung schlicht unmöglich sei.

Die Bahn geht davon aus, dass die Reparaturarbeiten an der Strecke Berlin-Hamburg zwischen den Bahnhöfen Brieselang und Finkenkrug voraussichtlich bis Mittwoch dauern werden. Der Fernverkehr zwischen Berlin und Hamburg wird weiter über Stendal und Wittenberge umgeleitet, die Fahrtzeit verlängert sich. Die Züge des Regionalexpresses RE 4 werden über Wustermark umgeleitet, der Halt in Falkensee entfällt.