ICE-Panne

Kein Halten in Wolfsburg (Teil III)

Ach, Wolfsburg. Du Gänseblümchen am Wegesrand! Die Menschen nehmen die Stadt mit ihrer gewaltigen Autoproduktion einfach nicht so ernst, wie es sich gehört. Leicht lässt es sich über Wolfsburg spotten, wo so viele Leute, die dort arbeiten, lieber in Berlin wohnen und mit dem Zug anreisen. Allen Unkenrufern kommt die Deutsche Bahn zur Hilfe, die es offensichtlich auf die Seite der Wolfsburg-Verächter treibt.

Am Samstag ist nämlich schon zum dritten Mal ein ICE durch den Bahnhof gefahren, der eigentlich hätte halten müssen. Bei drei, man weiß es, gilt es als Serie. Oder fast als Wahrheit. Um 17.47 Uhr war der Halt des ICE 587 von München nach Berlin geplant, stattdessen fuhr der Zug weiter und stoppte außerplanmäßig in Stendal, um die Fahrgäste von dort zurückzubringen.

Schuld war diesmal nicht der Lokführer, versagt hat ein Verwaltungsmensch. Ein Bahnsprecher erklärte auf Anfrage, jeder ICE-Triebfahrzeugführer habe zwei Fahr- und Haltepläne, einen elektronischen auf dem Display, und einen auf Papier. Auf Papier werden wegen der momentanen Streckenbaustellen Geschwindigkeitsbegrenzungen und zusätzlich Signale vermerkt. Beim Übertragen vom Papier auf den elektronischen Plan wurde diesmal der Wolfsburg-Stopp, nun ja, vergessen.

Der Bahn fällt es ziemlich schwer, die Panne zu bemänteln. Es gibt einfach wenig Erklärungsspielraum. Der Lokführer kann dabei nicht selbstständig halten, selbst wenn er es besser weiß. Der Mensch denkt, das Display lenkt.

"Für uns ist dieser erneute Vorfall höchst ärgerlich, und wir entschuldigen uns bei der Stadt und insbesondere bei unseren Fahrgästen", sagte der Bahnsprecher. Natürlich bekommen die Wolfsburg-Reisenden den Fahrpreis erstattet. Wie viele es waren, die am Samstag hatten aus- oder einsteigen wollen, konnte der Sprecher nicht benennen. 20 000 Halte hat die Bahn im Monat, heißt es. Fast alle korrekt. Aber also ausgerechnet Wolfsburg?