Soziales Netzwerk

Facebooks schrecklich gutes Gedächtnis

Max Schrems hat im Grunde nichts gegen Facebook. Er "stupst" öfter Online-Freunde an, klickt auf den "Like"-Button, nutzt die Chat-Funktion. Was der Jurastudent aus Wien dagegen gar nicht mag: Facebook speichert auch Daten, die er längst gelöscht hat.

Auf die Schliche kam der 23-Jährige dem Internetriesen, als er seine gespeicherten Daten anforderte - der US-Konzern hat seine internationale Filiale in Irland und muss, das ist europäisches Recht, Auskunft geben. Klingt einfach, war es aber nicht: In einer E-Mail teilte Facebook zunächst mit, man habe derart viele Daten von ihm, die ließen sich nicht ohne "unverhältnismäßigen Aufwand" zusammenstellen. Schrems aber ließ nicht locker - und hatte schließlich Erfolg. Facebook schickte ihm eine CD mit 1200 DIN-A4-Seiten. In dem Wust fand Schrems aber auch Daten, die er längst gelöscht glaubte. In den Nutzungsbedingungen heißt es, dass "entfernte Inhalte für eine angemessene Zeitspanne in Sicherheitskopien fortbestehen". Was angemessen ist, weiß nur Facebook. Der Konzern weist den Vorwurf der Datenschutzverletzung zurück. Man habe Schrems nun "mehr als 1000 Seiten Datenmaterial zugeschickt" und gehe davon aus, "dass dies den Anforderungen des EU-Datenschutzrechts genügt".

Doch Schrems genügt das nicht. Er machte seinen Fall im Internet publik, und nun verlangen immer mehr Nutzer Auskunft - und überfordern Facebook. Die Firma teilt jetzt mit, sie könne die gesetzliche Auskunftsfrist von 40 Tagen nicht mehr einhalten. Und dass die Daten ein Geschäftsgeheimnis seien. Und Eigentum von Facebook. Jetzt hat Schrems mit einigen Mitstreitern 22 Anzeigen gegen das soziale Netzwerk erstattet und ein Netzwerk "Europe versus Facebook" gegründet ( www.europe-v-facebook.org ).