Wirtschaftskriminalität

Schwarzarbeiter bauten Berliner Großprojekte

Nach mehrjährigen Ermittlungen haben Zoll und Justiz mit einer Großrazzia ein kriminelles Netzwerk im Baugewerbe ausgehoben. Die mutmaßlichen Drahtzieher wurden am Donnerstag in Berlin verhaftet. Sie sollen seit 2008 bei Großbauprojekten im gesamten Bundesgebiet Hunderte Schwarzarbeiter eingesetzt haben, die überwiegend aus Südosteuropa stammen.

Der finanzielle Schaden liegt nach ersten Schätzungen im "hohen zweistelligen Millionenbereich". Den Verhafteten wird die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.

Zu den Firmen, auf deren Großbaustellen die Schwarzarbeiter offenbar eingesetzt wurden, gehört auch die BSS Beton System Schalungsbau GmbH. Der Firmensitz am Tempelhofer Damm wurde am Donnerstag seit dem frühen Vormittag stundenlang von einem Großaufgebot an Einsatzkräften durchsucht. Die Ermittler trugen im Laufe des Tages Hunderte Kisten mit Beweismaterial aus dem Gebäude. Das bundesweit agierende Unternehmen hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Großprojekte realisiert. In Berlin gehören dazu neben anderen das Tempodrom, das Sony-Center am Potsdamer Platz, die saudi-arabische Botschaft, die Gropius-Passagen, das Hotel "Ritz Carlton" und das Zoofenster mit dem "Waldorf Astoria". Ob und in welchem Umfang die Verantwortlichen des Unternehmens von den Machenschaften ihrer Partner wussten oder selbst Opfer der Kriminellen waren, ist nach Angaben eines Justizsprechers derzeit noch Gegenstand der laufenden Ermittlungen.

Auf die Spur der Bande waren die Behörden 2008 während des Baus der Deutschen Börse in Eschborn bei Frankfurt gelangt. Die Staatsanwaltschaft in der Bankenmetropole leitete daraufhin ein Verfahren ein, die Ermittlungen führte die beim Hauptzollamt Gießen eingerichtete Sonderkommission "Taurus". Am Donnerstag durchsuchten "Taurus"-Beamte, unterstützt durch Einsatzkräfte der Berliner sowie der Bundespolizei allein in der Hauptstadt und im Umland 24 Objekte, darunter Geschäftsräume, Baustellen und Privatwohnungen in Tempelhof, Lichterfelde sowie im Landkreis Barnim. Gleichzeitig gab es weitere Durchsuchungen in Frankfurt, Hamburg und Wuppertal. Bundesweit waren am Donnerstag mehr als 400 Polizisten, Staatsanwälte sowie Zoll- und Steuerfahnder im Einsatz.

Im Vorfeld hatte die Staatsanwaltschaft Frankfurt/M. Haftbefehle gegen die drei mutmaßlichen Drahtzieher des Schwarzarbeit-Rings erwirkt. Die 40-Jährigen seien am Vormittag in Berlin von Spezialkräften gefasst und unmittelbar nach ihrer Verhaftung mit Hubschraubern der Bundespolizei nach Frankfurt geflogen worden, sagte Zollsprecher Heinz Michael Horst am Nachmittag. Die Beamten beschlagnahmten außerdem Luxusautos und andere Wertgegenstände im Wert von rund 1,5 Millionen Euro. Sichergestellt wurden zudem Drogen und eine Waffe mit Munition.

Um ihre Taten zu verschleiern, sollen die Männer - ein Deutscher, ein Grieche und ein Serbe - ein ganzes Netz von Firmen errichtet und darüber Schwarzarbeiter vor allem aus Albanien und Rumänien, aber auch aus Portugal auf verschiedenen Baustellen im gesamten Bundesgebiet untergebracht haben, ohne für sie Steuern und Sozialabgaben zu zahlen. In zahlreichen Fällen hatten die eingesetzten Arbeitskräfte weder eine Aufenthalts- noch eine Arbeitsgenehmigung.