Karaseks Woche

Keine Nummer zu groß

Als Helmut Schmidt, der letzte und älteste noch rauchende Vulkan der deutschen Politik, diese Woche den Bambi entgegennahm, da bedankte er sich mit der ihm eigenen knarzigen Zurückhaltung: Die Lobesworte erschienen ihm "eine Nummer zu groß".

Es klang so, als wollte er eigentlich sagen, der Bambi sei eher einige Nummern zu klein für ihn. Und da hat er recht, denn er teilte ihn beispielsweise mit einem wie Bushido.

Schmidt hatte mit seinem Stolz, der aus der Bescheidenheit sprach, recht. Der Alte weiß mit Goethe: "Nur die Lumpen sind bescheiden." Und der Bambi ist kein Friedensnobelpreis - noch dazu für einen Mann, der mit Sätzen wie: "Er kann es!" künftige Kanzlerkandidaten salbt. Mir fiel dazu die Geschichte ein, die Johannes Rau einst über den amtierenden Kanzler Schmidt kolportierte. Ich verdanke sie Eckart von Hirschhausen. Also: Schmidt muss als Zeuge vor Gericht aussagen, wird nach seinem Beruf gefragt und antwortet: "Größter Weltökonom und bedeutendster Kanzler seit Bismarck." Danach fragt er seinen Regierungssprecher Klaus Bölling, wie denn sein Auftritt gefallen habe. Der druckst ein bisschen verlegen, bevor er sagt, es sei ja schon alles sehr gut und schön gewesen, aber das mit dem Beruf, das sei ihm doch ein wenig zu dick aufgetragen gewesen. Darauf schaut ihn der Kanzler mit seinem energischen Blick an, nickt und sagt: "Da haben Sie vollkommen recht. Das habe ich ebenso empfunden. Aber was sollte ich machen? Ich stand schließlich unter Eid!"

Schmidt wusste auch als Wirtschaftsminister das Wohlstandsdenken der Deutschen witzig zu kommentieren: Er erzählte von einer Mutter, deren kleiner Sohn im Winter in die eiskalte Alster gefallen war. Als ein schlotternd frierender Retter das Kind lebendig zurückbringt, fragt sie streng: "Und wo ist die Mütze?"

Hellmuth Karasek schreibt jeden Sonntag in der Berliner Morgenpost